Wissenschaftlich Schreiben

Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring (7-Schritte-Tutorial)

Qualitative inhaltsanalyse Mayring wissenschaftliches arbeiten

Bist du auf der Suche nach einer Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie du im Rahmen deiner wissenschaftlichen Arbeit eine qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring (2000;2010) durchführst?

Dann bist du hier wieder einmal an der goldrichtigsten aller Ecken im Cyberspace gelandet.

Denn in diesem Artikel erkläre ich dir anhand des Ablaufmodells nach Mayring, welche 7 Schritte du durchführen musst, um deine qualitative Inhaltsanalyse sauber durchzuführen. Danach wirst du die oft etwas verklausuliert ausgedrückten Beschreibungen zu dieser Methode viel besser verstehen und kannst mit der Datenauswertung sofort loslegen.

Hintergrund zur Qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring

Die Methodik der qualitativen Inhaltsanalyse ist zu großen Teilen auf dem Mist des deutschen Psychologen Philipp Mayring gewachsen. In mehr als 20 Jahren hat er das Vorgehen immer weiter verfeinert und hat es geschafft, dass sein Ansatz internationale und fachgebietsübergreifende Anerkennung erfährt. Möchtest du in deiner wissenschaftlichen eine qualitative Inhaltsanalyse durchführen, führt eigentlich kein Weg daran vorbei.

Um nach diesem Video noch tiefer einzusteigen, empfehle ich dir die 2010er Version von Mayring’s „Qualitative Inhaltsanalyse“. Die Schritte, die ich dir in diesem Video beibringen möchte, stützen sich auf dieses Buch, sowie dessen 2000er Version. In der Literatur sind ebenfalls 7 Schritte zu finden. Mein Leitfaden ist teilweise vereinfacht, um das Ganze praktisch nachvollziehbarer zu machen. Es handelt sich dabei also um meine eigene Version der 7 Schritte.

Darüber hinaus habe ich Mayring’s Methode schon unzählige Male angewandt und meine eigenen Best-Practices entwickelt, wie ich die Schritte konkret umsetze. Mit meinen Tipps kannst du dir im Zuge deiner eigenen Analyse einiges ersparen, indem du dich auf das Wesentliche konzentrierst und pragmatisch arbeitest. Natürlich immer unter Einhaltung der guten, wissenschaftlichen Praxis.

Los geht’s!

Schritt 1: Gegenstand und Fragestellung

Zu Beginn deines Vorgehens solltest du dir im Klaren über Forschungsgegenstand und Fragestellung sein. Die Anwendung der Inhaltsanalyse solltest du in einem Methodenkapitel (nach der Literaturarbeit) abstrakt erklären und dich dabei u.a. auf Mayring stützen.

Gegenstand

In besagtem Methodenteil gibst du Auskunft über das Material, das der qualitativen Inhaltsanalyse zugrunde liegt. Der häufigste Fall: Die Durchführung von Experten-Interviews. 

Doch die Inhaltsanalyse nach Mayring lässt sich noch auf viele weitere Datenquellen anwenden. Dazu gehören Mitschnitte von öffentlichen Debatten oder Diskussionen, Reden, Zeitungsartikel, Bildern oder sogar Videos. Ich persönlich forsche häufig mit Daten aus Social Media, d.h. auch Tweets, Postings oder andere Arten von Online-Quellen können einer Inhaltsanalyse unterzogen werden.

Immer wenn menschliche Kommunikation strukturiert und analysiert werden soll, ist die qualitative Inhaltsanalyse ein geeignetes Werkzeug. Wie sich diese Methode ins Gesamtbild empirischer Forschung einordnet, das kannst du auch in meinem Artikel zu qualitativen und quantitativen Forschungsmethoden nachlesen.

Fragestellung

Das Aufstellen einer Forschungsfrage ist unumgänglich, wenn du qualitativ forschen möchtest. Hypothesen brauchst du in diesem Fall nicht zu formulieren. Die Forschungsfrage kannst du bereits in der Einleitung festlegen. Stimme sie unbedingt mit der Methode ab.

Ist meine Methode dazu geeignet, meine Forschungsfrage hinreichend zu beantworten?

Oders anders herum:

Habe ich meine Forschungsfrage so formuliert, dass ich sie mithilfe der qualitativen Inhaltsanalyse beantworten kann?

Alles rund ums Formulieren einer Forschungsfrage findest du auch in meinem Forschungsfragen-Tutorial.

Qualitative inhaltsanalyse Mayring

Schritt 2: Wahl der Vorgehensweise

Die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring sieht zwei verschiedene Vorgehensweisen vor. Zumindest sind diese beiden für dich relevant. Keine der beiden ist besser oder schlechter. Es handelt sich dabei lediglich um unterschiedliche Herangehensweisen.

Die Wahl der geeigneten Vorgehensweise hängt von der Art der Daten ab, aber auch wie viel Literatur bereits zu deinem bestimmten Anwendungs-Szenario existiert. Warum das so ist, wirst du gleich verstehen. Möchtest du beispielsweise Interviews analysieren, sind beide Varianten denkbar. Du musst lediglich überzeugend und logisch für deine Auswahl argumentieren.

Entscheide dich immer für eine der beiden Vorgehensweisen.

Schritt 2A: Induktive Kategorienentwicklung

Wie so oft in der Wissenschaft werden hier Fachbegriffe verwendet, die außerhalb der Forschungsliteratur keine Anwendung finden. Die induktive Kategorienbildung bedeutet nichts anderes, als dass du die Kategorien, in welche du deine Textbausteine/Inhaltselemente einordnest, spontan aus dem Material heraus bildest.

Wie du im Detail vorgehst, kommt noch in Schritt 3. Wichtig zu wissen ist hier noch, dass du zuerst dein Text-Element liest oder betrachtest, dann eine Kategorie bildest und zum nächsten Element gehst. Hier entscheidest du, ob wieder die gleiche Kategorie zutrifft oder du eine neue bilden musst, um dieses Element einer Kategorie zuordnen zu können. Und so geht es immer weiter, bis du am Ende angekommen bist.

Hast du zu viele Kategorien neu gebildet, hast du auch die Möglichkeit, einzelne Kategorien zusammenzufassen, falls sie sich zu ähnlich sind. Es empfiehlt sich also zunächst etwas strenger zu segmentieren.

Schritt 2B: Deduktive Kategorienanwendung

Die alternative Vorgehensweise um induktiven Verfahren ist die deduktive Kategorienanwendung. Das bedeutet, dass du deine Kategorien von außen bekommst, also aus der Literatur. Dazu musst du die Literatur genau studieren und herausfinden, ob andere zu einem passenden Kontext bereits Kategorien oder gar einen Kodierleitfaden gebildet haben.

Beides kannst du in deinem Methodenkapitel unter Angabe der Autoren verwenden. Du kannst die Kategorien oder deinen eigenen Kodierleitfaden auch aus verschiedenen Quellen bilden, damit sie zu deinem Forschungsvorgehen passen. Wenn du dies tust, dann empfehle ich dir eine Tabelle anzulegen, welche die einzelnen Kategorien/Anweisungen auflistet und die passende Quelle dazu angibt.

Im Unterschied zur induktiven Variante stehen deine Kriterien also bereits vor dem Kopiervorgang fest.

Nichtsdestotrotz kannst du in einem späteren Schritt deine Kriterien anpassen, falls sich herausgestellt hat, dass etwas nicht passt oder eine Kategorie oder Ähnliches ergänzt werden muss.

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Schritt 3: Kodierung

Zuerst legst du dir dein Material in gleichwertige Stückchen zurecht. Im Falle von Interviews wären dies die Antworten auf jede einzelne Frage oder jeder einzelne Satz usw.

Nachdem du deine Mitschnitte transkribiert und verschriftlicht hast, kannst du sie beispielsweise in Excel auflisten. Dort kannst du dann pro Textelement in einer Spalte daneben die Kategorie eintragen. Den Kategorien verpasst du ein Label: Eine Abkürzung, eine Ziffer oder einen Buchstaben.

Mithilfe des Labels kannst du deine einzeln zu kodierenden Bausteine der Reihe nach mit dem Label versehen und effizient arbeiten.

Folgst du den Anweisungen aus einem Kodierleitfaden, dann sind die Labels im Idealfall darin bereits festgelegt.

Qualitative inhaltsanalyse Mayring excel

Schritt 4: Überprüfung der Kategorien nach 10-50%

Mayring schlägt vor, nach 10-50% des Kodiervorgangs einen Break zu machen. Meine Empfehlung wären 30% bei einem mittelgroßen Datensatz wie etwa im Rahmen einer Abschlussarbeit. Jetzt listest du deine Kategorien einzeln auf und überprüfst, ob sie deinen Ansprüchen gerecht werden.

  • Spiegeln sie die Inhalte angemessen wider?
  • Wurden Sie in einem angemessenen Verhältnis gebildet, also decken sie ein ausgeglichenes inhaltliches Spektrum ab?
  • Wie sehen mögliche Bezeichnungen aus?
  • Lassen sich einzelne Kategorien zusammenfassen?

Etwaige Änderungen solltest du jetzt vornehmen. Dann fährst du mit dem nun festgelegten Schema bis zum Ende fort.

Schritt 5: Fertigstellung der Kodierung

Die restlichen 70% oder so Prozent stellst du nun fertig.

Oft bekomme ich die Frage gestellt, wieviel Zeitaufwand für einen solchen Kodiervorgang angemessen sei. Darauf gibt es keine konkrete Antwort. Aus meine Erfahrung verhält sich der Zeitaufwand immer nach dem gleichen Schema:

Der Anfang dauert ewig. Am Ende geht es super schnell.

Die ersten zehn, zwanzig oder auch dreißig Sätze dauern ziemlich lang. Du musst immer wieder im Kodierleitfaden nachschauen oder dir neue Kategorien ausdenken. Ab einem bestimmten Punkt kennst du das Procedere nun auswendig und kannst viel schneller vorgehen als noch am Anfang.

Qualitative inhaltsanalyse Mayring interviews

Schritt 6: Reliabilitätsprüfung

Hast du dein Coding abgeschlossen, kannst du eine Reliabilitätsprüfung durchführen. Das hört sich erstmal verrückt an, ist aber total simpel. Wenn du wissen möchtest, was der Unterschied zwischen reliablen, validen und objektiven Datenquellen ist, dann schau mal in meinem Artikel zu den 3 Gütekriterien vorbei.

Die Reliabilitätsprüfung berechnet, ob du im Vergleich mit einer anderen kodierenden Person ungefähr zu den gleichen Ergebnissen kommst. D.h. du brauchst dazu mindestens eine zweite Person, die Teile oder den Gesamtdatensatz unabhängig von dir noch einmal kodiert. Arbeitest du in einer Gruppe ist das kein Problem.

Bist du jedoch allein mit deiner Abschlussarbeit, dann sprich mit deinem Betreuer/deiner Betreuerin ab, ob eine solche Prüfung von dir erwartet wird. In jedem Fall wäre dies eine „extra mile“, die viele Studis normalerweise nicht gehen würden. Am Ende wertet dieser Schritt deine Arbeit jedoch ungemein auf und wird sich in deiner Note widerspiegeln.

Die statistischen Maße sind hier

1. Cohen’s Kappa

2. Krippendorff’s Alpha

Schau dir beide an und entscheide dich für eins. Die Berechnung ist wirklich sehr simpel. Im Prinzip wird nur die Abweichung zwischen beiden Kodierungen überprüft und wenn die Abweichung gering genug ist, dann gilt dein Vorgehen als reliabel.

Schritt 7: Weiterführende Auswertung und Interpretation

Nun folgt der wichtigste Teil:

Was fängst du nun mit diesen Ergebnissen an? 

Der einfachste und naheliegende Schritt wäre die Bestimmung der Häufigkeiten.

  • Wie oft kommt jede der Kategorien im Datensatz vor?
  • Was bedeutet dies im Hinblick auf meine Forschungsfrage?
  • Wie verhalten sich meine Ergebnisse zum bestehenden Stand der Forschung?

Diese Fragen beantwortest du in deinem Diskussionsteil. Der kommt nach dem Ergebnisteil. Also hier nochmal übersichtlich:

  • Mehtodenkapitel: Schritt 1-2
  • Ergebniskapitel: Schritt 3-6
  • Diskussionskapitel: Schritt 7

Das Anwenden zusätzlicher statistischer Zusammenhänge ist auch wieder ein Zusatz, der im Rahmen einer studentischen Arbeit nicht immer gefordert ist. Es wäre praktisch die Kirsche auf der Torte. Oftmals ist der Arbeitsaufwand aber zu hoch. Eine Abschlussarbeit sollte auch nicht völlig ausufern.

Beschränke dich auf ein sauberes qualitatives Design und deine Arbeit wird methodisch vollkommen sein.


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