Wissenschaftlich Schreiben

Wissenschaftlichen Fragebogen erstellen und Online-Umfrage durchführen (5 Phasen)

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Um an empirische für eine wissenschaftliche Arbeit zu gelangen, ist die Konstruktion eines standardisierten Fragebogens ein beliebtes Mittel. In Form einer Online-Umfrage kannst du diesen in Sozialen Netzwerken, Foren und deinem Studiengang bewerben und schließlich im Hauptteil deiner wissenschaftlichen Arbeit auswerten.

Hast du noch nie zuvor einen solchen Fragebogen erstellt, können widersprüchliche Informationen und Fachbegriffe schnell zu Überforderung führen. Deshalb möchte ich dir in diesem Artikel 5 zentrale Phasen zeigen, die jeder wissenschaftliche Fragebogen durchlaufen muss.

Mit diesem Tutorial kannst du die Datenerhebung für deine wissenschaftliche Arbeit Step-by-Step angehen und weißt worauf es Gutachter*innen bei der Bewertung ankommt. So wird der Methodenteil deiner wissenschaftlichen Arbeit von der Schwachstelle zum Aushängeschild!

Standardisierung von Fragebögen

Damit du bei der Kommunikation mit deiner Betreuerin Missverständnisse vermeidest und bei der weiteren Recherche nach diesem Video weißt, wonach du suchen musst, sollten wir einige Grundbegriffe klären.

Das folgende Tutorial bezieht sich auf das Erstellen eines standardisierten Fragebogens, das bedeutet, dass jeder Teilnehmende die Fragen in der gleichen Reihenfolge und unter den gleichen Bedingungen gestellt bekommt.

Ein standardisierter Fragebogen sollte im Anschluss nach quantitativem Vorbild mithilfe von statistischen Berechnungen ausgewertet werden.

Nicht-standardisierte oder offene Fragebögen haben den Nachteil, dass sie nicht so leicht an eine große Anzahl Personen ausgeliefert und ausgewertet werden können. Allerdings erlauben sie es, dass du als forschende Person mehr auf das Individuum eingehen kannst und durch eine enge Konstruktion möglicherweise interessante Informationen verpasst. Verlangt deine Forschungsfrage eher nach diesem Vorgehen, dann solltest du dich vielleicht lieber für eine rein qualitative Studie entschieden, z.B. in Form von Experteninterviews.

Jetzt aber zurück zum standardisierten Fragebogen. Wie findest du überhaupt die Fragen, die da rein sollen?

Fragen aus der Literatur ableiten #1

Recherche

Sich eine Handvoll interessanter Fragen zu überlegen und damit auf die Leute loszustürmen ist keine gute Idee. Die Fragebogenkonstruktion, wie sie mystifizierter Weise genannt wird, geschieht auf Basis der Literatur.

Um einen wissenschaftlichen Fragebogen zu entwickeln, startest du also mit einer gründlichen Literaturrecherche. Wie das geht, lernst du auch in meinem Tutorial Literaturrecherche für deine wissenschaftliche Arbeit | In 3 Schritten zum sprudelnden Quellen-Pool

Hypothesen

Für ein quantitatives Studiendesign bietet es sich an, hypothesengeleitet zu arbeiten. Das bedeutet, du stellst eine Reihe von Vermutungen auf, wie sich eine Variable X auf eine andere Variable Y auswirkt. Nehmen wir an, du möchtest untersuchen, wie sich Emojis im Kontext interner Unternehmenskommunikation auswirken.

Eine mögliche Hypothese wäre:

H1. Die Nutzung von Emojis wirkt sich negativ auf die wahrgenommene Kompetenz von Führungskräften aus.

Du könntest aber auch noch weitere aufstellen, z.B.:

H2.  Es besteht ein positiver Zusammenhang zwischen der Nutzung von Emojis und dem Vertrauen gegenüber Führungskräften. 

Wenn du hier noch tiefer einsteigen möchtest, check mein Tutorial Hypothesen aufstellen | So formulierst du sie fehlerfrei (3 Beispiele)

Items

In deinen Hypothesen hast du nun verschiedene Variablen bzw. theoretische Konstrukte. In unserem Beispiel wären das

  • Emoji-Nutzung
  • wahrgenommen Kompetenz
  • Vertrauen

In deiner Literatur-Recherche müsstest du nun Ausschau nach Studien halten, welche für diese Konstrukte bereits Items entwickelt haben. Items sind einzelne Fragen oder Gruppen von Fragen, welche sich dazu eignen, eines dieser Konstrukte zu testen.

Bei der Entwicklung deines Fragebogens kannst du nun einzelne Autor*innen referenzieren und dir so deinen Fragebogen zusammenbauen.

In unserem Beispiel wirst du mit hoher Wahrscheinlichkeit existierende Items für wahrgenommene Kompetenz und Vertrauen finden. Für Emoji-Nutzung vielleicht nicht. Diese Fragen müsstest du dann selbst entwickeln indem du zum Beispiel bestehende Items zu einem verwandten Thema nimmst und für deine Zwecke umformulierst oder neu zusammensetzt.

Am besten legst du dir eine Tabelle zurecht, in der du relevante Paper und Veröffentlichungen sammelst und dir einen Überblick verschaffst. Aus diesem Baukasten bedienst du dich dann, um deinen eigenen, einzigartigen Fragebogen zu entwickeln.

Hier ist es wichtig zu verstehen, dass du Entscheidungen treffen darfst. Wenn du dich fragst:

„Darf ich das so machen?“

Dann beantworte dir zwei Fragen:

  1. Hast du alles worauf du aufbaust sauber referenziert?
  2. Ist dein Vorgehen logisch und stringent argumentiert?

Solange alle deine Schritte nachvollziehbar und logisch zur Beantwortung deiner Forschungsfrage bzw. dem Testen deiner Hypothesen beitragen, dann ist alles OK!

Antwortmöglichkeiten

Da du einen standardisierten Fragebogen erstellst, musst du für jede Frage festlegen, in welcher Form deine Proband*innen antworten können. Die Daten, die aus den Antworten entstehen, können verschiedenartig skaliert sein.

Wenn du zum Beispiel das Alter der teilnehmenden Person abfragst, sind Zahlenwerte als Antwort möglich, die eine sogenannte metrische oder auch Kardinalskala besitzen.

Für die Mehrheit deiner Fragen in einem standardisierten Fragebogen empfehlen sich jedoch ordinal skalierte Antworten. Die bekannteste Variante dafür ist eine 5-stufige Likert-Skala. Die hast du bestimmt schon mal gesehen, wenn du selbst einen Fragebogen beantwortet hast.

Auf die Frage: „In meinem Berufsalltag verwende ich regelmäßig Emojis“ wären dann folgend Antworten möglich:

trifft zu (1), trifft eher zu (2), teils-teils (3), trifft eher nicht zu (4), trifft nicht zu (5)

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Online-Umfrage erstellen #2

Wenn dein Fragen-Pool steht, dann geht es an die Umsetzung. Damit du nicht mit einem Klemmbrett bewaffnet im Einkaufszentrum herumstiefeln musst, gibt es die Möglichkeit der Online-Umfrage.

Das tolle an einer Online-Umfrage ist, dass sie sich, einmal erstellt, verselbstständigt und deine Proband*innen durch deinen Fragebogen führt.

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass deine Uni Lizenzen für einen oder mehrere Anbieter von Umfragen-Tools besitzt. Zwei bekannte Services sind

SurveyMonkey

und

LimeSurvey

Wenn ich mich nicht irre, kannst du beide sogar kostenlos in der Basis-Version benutzen. Diese Tools nehmen dich an die Hand und erklären dir Schritt für Schritt wie du deinen Fragebogen auf der Plattform erstellst und live schaltest.

Denke daran, dass du auch einen Begrüßungstext und eventuelle Briefings oder Anweisungen für die Teilnehmer in deine Umfrage einbaust.

Im Begrüßungstext sollte immer deine Uni, dein Lehrstuhl und der Zweck deiner Studie genannt werden. Außerdem, dass sie anonymisiert stattfindet und jederzeit ohne Angabe von Gründen abgebrochen werden kann.

Das exakte Forschungsziel solltest du natürlich nicht verraten, da Teilnehmer sonst eventuell verzerrte Antworten geben könnten.

Manche Lehrstühle erwarten von dir, dass du dir deine Online-Umfrage absegnen lässt. Lasse deine Betreuerin oder deinen Betreuer also immer einen Blick auf die Online-Umfrage werfen, bevor du auf „publish“ klickst.

Pretest #3

Mit der ersten Version kannst du nun einer Handvoll an Leuten den Auftrag geben, die Umfrage zu testen. Das können deine Freunde, Familie oder Kommilitonen sein. Für den Pretest brauchst du keine riesige Menge an Leuten, schließlich willst du ja noch einige davon als richtige Proband*innen für die finale Studie haben.

Im Pretest geht es in erster Linie darum, dass die Teilnehmenden alle Frage verstehen und zu jeder Zeit wissen, was von ihnen verlangt ist.  Außerdem soll getestet werden, wie gut der Fragebogen das erfasst, was du messen möchtest.

Zentrale Fragen, die du dir nach deinem Pretest stellen solltest sind folgende:

  • Haben Proband*innen Probleme einige der Fragen zu verstehen?
  • Wiederholen sich manche Fragen in ihrem Inhalt?
  • Sind die Anweisungen nachvollziehbar?
  • Ist die verwendete Sprache korrekt und konsistent?
  • Bieten die Skalierungen genügend Differenzierung?
  • Folgt der Aufbau einer logischen Struktur?
  • Kann man alles gut lesen und sind die Farben nicht störend?
  • Sind Proband*Innen motiviert genug, den gesamten Fragebogen auszufüllen oder brechen viele vorzeitig ab?

Nach deinem Pretest kannst du Anpassungen vornehmen und wenn nötig noch einen Pretest durchführen oder zur finalen Studie übergehen.

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Teilnehmer rekrutieren #4

War dein Pretest erfolgreich, dann kann es losgehen. Schicke deinen Fragebogen an alle Leute die du kennst und von denen du glaubst, dass sie dir helfen können. Natürlich nur, wenn du keine Einschränkungen bei der Stichprobe hast. Bist du auf der Suche nach einem Sample an Rentnern, dann musst du wahrscheinlich andere Wege finden.

Stichproben studentischer Arbeiten sind oft geprägt von Studierenden. Das ist aber auch vollkommen OK und für Abschlussarbeiten oder ähnliches gar kein Problem. Versuche trotzdem ein möglichst ausgeglichenes Sample hinzubekommen, dazu gehören zum Beispiel auch gleichmäßig viele männliche und weibliche Proband*innen.

Marketing-Maßnahmen

Damit du eine möglichst große Stichprobe bekommst, nutze Social Media um deine Studie zu verbreiten. Für ein paar Wochen musst du hier richtiges Marketing anwenden und vielleicht sogar einen Anreiz für die Teilnahme bieten. An manchen Unis müssen Studierende Versuchspersonenstunden sammeln. Schaue mal, ob du berechtigt bist, diese zu verteilen oder ob dein Lehrstuhl bereit wäre, deine Studie anderweitig zu unterstützen. Manchmal werden sogar Amazon-Gutscheine oder Bargeld ausgezahlt.

Aus der eigenen Tasche solltest du natürlich nichts bezahlen, das kannst du lieber mit geschicktem Guerilla-Marketing regeln. Werde einfach mal kreativ und verteile Flyer an Orten, an denen man es nicht erwarten würde. Solange du dich an die Regeln hälst, bekommst du da auch Unterstützung von der Uni. Es gibt unzählige Möglichkeiten. Hier ein paar Ideen:

  • Schwarze Bretter
  • Mensa-Werbung
  • Online-Foren
  • Facebook-Gruppen
  • E-Mail-Verteiler
  • Flyer verteilen (auf dem Campus)
  • Flyer mit verteilen (vor einer großen Vorlesung)

Je langweiliger die Vorlesung, desto größer die Chance, dass viele deine Umfrage gleich an Ort und Stelle ausfüllen.

Größe der Stichprobe

Grundsätzlich gilt:

Je mehr Teilnehmer*innen du bekommst, desto besser. Das führt dazu, dass du statistisch robustere Ergebnisse bekommst und mehr Möglichkeiten für anschließende statistische Tests hast.

Ein grober Richtwert für eine Abschlussarbeit sind 100 Teilnehmer*innen. Bei einer Masterarbeit können es auch ein paar mehr sein. Dann bist du auf jeden Fall gut aufgestellt.

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Auswertung #5

Setze dir für die Laufzeit deiner Studie klare Deadlines. Damit du nicht in Verzug kommst, wird die Umfrage an Tag X geschlossen. Das war’s.

Jetzt darfst du die Unterlagen aus der Statistik-Vorlesung wieder herauskramen und an SPSS verzweifeln. SPSS ist das meistbenutzte Tool, um online Umfragen auszuwerten und Berechnungen anzustellen.

Eine etwas benutzerfreundlichere Alternative zu SPSS ist Jamovi. Hier solltest du allerdings schon genau wissen, was du rechnen willst. Die meisten Tutorials sind nämlich auf SPSS ausgerichtet.

Eine Bibel was dieses Thema angeht ist Discovering Statistics Using IBM SPSS von Andy Field. Es ist witzig, einfach verständlich und umfangreich. Bevor ich mir also hier einen abreche, beende ich den Artikel und entlasse ich dich in den Statistik-Dschungel von Professor Field.

Ich hoffe dieses kleine Tutorial zum Erstellen eines wissenschaftlichen Fragebogens hat dir einen guten Überblick gegeben. Wenn du Fragen dazu hast, ab damit in die Kommentare!


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