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Wissenschaftliche Paper lesen (effektiv und nachhaltig!)

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Bist du hier gelandet, weil du wissenschaftliche Paper lesen musst, aber dich immer wieder einem der folgenden Probleme gegenübersiehst?

  • Die Paper sind schwer verständlich und es bleiben maximal 10% bei dir hängen?
  • Du weißt nicht genau wonach du in den Papern suchen sollst, um Input für deine eigene wissenschaftliche Arbeit zu bekommen?
  • Du hast Schwierigkeiten zu priorisieren, welche Paper du überhaupt lesen sollst?

Dann sei doch für die nächsten 10 Minuten mein Gast. Als Doktorand habe ich jeden Tag mit wissenschaftlichen Papern zu tun. Wenn ich selbst nicht gerade an einem schreibe, dann lese ich eins. Aber nicht einfach nur so. Ich habe ein System.

Liest du ein wissenschaftliches Paper von Anfang bis Ende, dann ist das eine eher suboptimale Verwendung deiner Zeit. Insbesondere dann, wenn du selbst eine wissenschaftliche Arbeit produzieren möchtest. Mein System gibt dir 3 Schritte mit an die Hand, wie du von nun an wissenschaftliche Paper lesen kannst – damit du deine Zeit wirklich sinnvoll nutzt und du pragmatisch Wissen aufbaust.

Wissenschaftliche Paper lesen wie ein Profi

Pro Jahr werden weltweit mehr als 2,5 Millionen wissenschaftliche Paper veröffentlicht (NCSES, 2019). 2,5 Millionen! Um die alle zu lesen, bleibt keine Zeit. Deshalb ist es um so wichtiger, mit einem Plan an die Sache heranzugehen.

Du musst genau wissen, wie du dir richtigen wissenschaftlichen Paper findest, die für dich und deine Arbeit auch wirklich relevant sind.

Darüber hinaus brauchst du die richtige Lese-Technik, damit du dich nicht stundenlang durch ein wissenschaftliches Paper quälen musst, aus dem du eigentlich nur eine Definition übernehmen möchtest.

Und zu guter Letzt brauchst du ein System, an dem du dein Wissen sammelst, aufarbeitest und organisierst, damit du nicht einen Tag später wieder alles vergessen hast. Wenn du dann an deiner wissenschaftlichen Arbeit feilst, hast du ein regelrechtes Arsenal an Textstellen, Zitaten und Ergebnissen an der Hand, die du aus der Hüfte in deinen Aktuellen Forschungsstand oder deine Einleitung abfeuern kannst.

Let’s Go!

#1 Schritt: Die Auswahl relevanter wissenschaftlicher Paper

Okay, also zuallererst musst du akzeptieren, dass deine Zeit begrenzt ist – und damit auch die Anzahl an wissenschaftlichen Papern, die du lesen kannst. Schreibst du an deiner Abschlussarbeit, dann hast du entweder 3 oder 6 Monate Zeit, wovon maximal ein Drittel auf die Literaturarbeit entfallen sollte.

Sagen wir mal, du schreibst eine Bachelorarbeit und hast neben den Methodenbüchern, die du noch lesen musst, eine Kapazität für 20 Paper. Mit diesen 3 Schritten kannst du deine Top 20 bestimmen.

  1. Lege dir eine Leseliste in Form einer Tabelle an.
  2. Unternimm deine Literaturrecherche und sammle alle Paper, die auf den ersten Blick relevant erscheinen
  3. Abstract-Screening: Lies alle Abstracts und entscheide anhand dessen, welche Paper es in die Top 20 Leseliste schaffen. Dieser Schritt ist auch in systematischen Literatur-Reviews gefragt.

Nun kannst du mit dem Lesen deiner Top 20 Leseliste beginnen. Die restlichen Paper werden vernachlässigt.

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#2 Schritt: Die richtige Lese-Technik um wissenschaftliche Paper lesen zu können

Ein (meiner Ansicht nach) falscher Ansatz wäre es, jetzt mit dem ersten Paper zu starten und es von Anfang bis Ende durchzuarbeiten. Nähere dich dem Paper zuerst mit einem Paper-Screening:

Lies Einleitung, Methodenkapitel und Schlussteil. 

Warum?

Diese Teile eines wissenschaftlichen Papers nenne ich Meta-Bausteine. Sie sind also keine rein inhaltlichen Sektionen, sondern berichten eine Ebene höher, also „über“ das Paper. Mit dem Lesen dieser 3 Sektionen wirst du folgende Informationen erhalten:

  • Kontext, Motivation und Forschungsproblem
  • Die eingesetzte Methode
  • Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse

Wenn du nun merkst, dass du noch mehr aus diesem Paper ziehen möchtest, dann entscheide dich selektiv für das Lesen weiterer Kapitel.

  • Für Definitionen: Lies das Literature-Review.
  • Bei Interesse zur Theorie: Lies den theoretischen Hintergrund.
  • Um mehr über den wissenschaftlichen Diskurs dieses Themas zu erfahren: Lies die Diskussion.
  • Bei methodischen Fragen und der Suche nach Inspiration: Lies die Ergebnisse.

Verschiedene Paper können auf ganz unterschiedliche Art und Weise nützlich sein. Du musst dir aber erlauben, auch große Teile zu überspringen.

In einem Wissenschaftspodcast den ich regelmäßig höre war letztens ein Autor zu Gast, der in einem seiner Paper ein theoretisches Problem mathematisch gelöst hat. Da die Reviewer, diese aufwendigen Rechenschritte im Ergebnisteil haben wollten, war er sich nun unsicher, ob dies nicht viele Lesende abschrecken würde. Er selbst rief dann dazu auf, den Ergebnisteil bloß zu überspringen, weil dieser zum Verständnis des Papers nicht unbedingt beiträgt.

Du musst also lernen, gezielt zu lesen. Aber dafür bekommst du schnell ein Gefühl. Wenn du hier noch tiefer einsteigen möchtest, Darüber kannst du dich der PQ5R-Methode bedienen.

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#3 Schritt: Dein eigenes Exzerpier-System

Im letzten Schritt hatte ich die Basic-Ziele des Paper-Lesens angesprochen:

  • Kontext, Motivation und Forschungsproblem
  • Die eingesetzte Methode
  • Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse

Zu jedem dieser Punkte machst du folgendes:

Lege je einen Eintrag in einem Exzerpier-Dokument an. Wenn du bei diesem Begriff auf dem Schlauch stehst, schau dir unbedingt mein Tutorial zum Exzerpieren wissenschaftlicher Texte an.

Exzerpte sind Auszüge aus wissenschaftlichen Texten, die du für direkte Zitate kopierst und für indirekte Zitate paraphrasierst. Außerdem kannst du diesen Auszügen deine eigenen Gedanken, Notizen und Interpretationen hinzufügen.

Wie du deine Exzerpte organisierst, ist dir überlassen. Hier gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • Du kannst sie innerhalb deines Literaturverwaltungsprogramms organisieren. Das hat den Vorteil, dass du sie genau dort parat hast, wo du auch deine Quellen verwaltest.
  • Alternativ kannst du ein System aus einzelnen Tabellen erstellen und diese in einer Ordnerstruktur abspeichern, z.B. in Google Drive oder so. So kannst du dein gewonnenes Wissen nach Themen organisieren.
  • Oder du erstellst ein riesiges Excel-Sheet mit einzelnen Seiten für jedes Paper. Dann hast du alles griffbereit in einer Datei.

Jedes System hat Vor- und Nachteile, aber die Hauptsache ist: Du hast ein System!

Dabei kommt es auch darauf an, wie du am besten arbeitest und welche Software-Tools du ohnehin benutzt. Es soll auch Menschen geben, die alles auf echtem Papier sammeln und Stifte und Marker benutzen. Das ist sicherlich nicht so effizient, aber hey: „Von der Hand in den Kopf“ oder wie sagt man das?


Ich hoffe dieses kleine Tutorial hat dir ein paar Anregungen für deine Leseroutinen gegeben. Und jetzt: Viel Spaß in deinem Ohrensessel beim Lesen vieler spannender Paper…

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