Wissenschaftliche Methoden

Codebuch erstellen für deine Quantitative Inhaltsanalyse (super einfach!)

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Bist du auf der Suche nach einer schnellen aber gleichzeitig präzisen Anleitung zum Codebuch erstellen?

Dann hast du mit dem Klick auf diesen Artikel einen Volltreffer gelandet!

Denn in diesem Beitrag erkläre ich dir was ein Codebuch ist (falls du das noch nicht weißt), wie du eines Schritt-für-Schritt erstellst ohne dabei zu verzweifeln und verrate dir, wie du dir die Mühe eventuell sogar sparen kannst und die Validität deiner qualitativen Inhaltsanalyse dabei sogar noch steigerst.

Was ist ein Codebuch?

Zunächst sollten wir hier noch einmal klären, dass wir uns beim Thema Codebuch erstellen im Bereich der Inhaltsanalyse befinden. Um noch genauer zu sein, im Bereich der quantitativen Inhaltsanalyse. Diese Bezeichnung ist etwas verwirrend, weil die Inhaltsanalyse zumeist mit qualitativer Forschung in Verbindung gebracht wird. Bei der quantitativen Inhaltsanalyse wird Text sozusagen in Zahlen umgewandelt und mit quantitativ-statistischen Methoden ausgewertet.

Ein Codebuch ist nichts weiter als eine Anleitung zum Codieren. Codieren bedeutet, dass du einem Stück Material welches du analysierst in eine Kategorie einordnest, also „einen Code zuweist“. Der Code ist dann meistens eine Zahl zwischen 1 und X, je nach dem wie viele Kategorien im Codebuch vordefiniert sind.

Das Codebuch beinhaltet also hauptsächlich eine Beschreibung der Kategorien in die sich das vorhandene Material einordnen lässt, aber zum genauen Aufbau kommen wir gleich noch.

Wann musst du ein Codebuch erstellen?

Ein Codebuch ist wie gesagt ein Bestandteil der quantitativen Inhaltsanalyse, deren Ziel es ist, Text, Bild oder Audio-Material in Zahlen umzuwandeln, um später damit rechnen zu können. Dem qualitativen Datenmaterial wird hier also ein quantitatives Element übergestülpt. Für den klassischen Anwendungsfall von Interviewdaten, die unter Berücksichtigung einer Theorie codiert werden sollen, ist das Codebuch erstellen in der Regel nicht nötig.

Häufigere Fälle, in denen ein Codebuch gefragt ist, sind die Analyse von Zeitungsartikeln, Dokumenten, Videos oder Social Media Postings. Hier geht es oft darum das Material in Kategorien einzuordnen und dann beispielsweise zu berechnen, wie häufig bestimmte Kategorien in den Daten vorkommen.

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Ein Beispiel für ein Codebuch

Schauen wir uns aber mal ein konkretes Beispiel an, damit du dir besser etwas darunter vorstellen kannst. Mal angenommen, wir möchten Tweets über COVID-19 analysieren und haben es dabei hauptsächlich auf Falschinformationen abgesehen (Als Teil unserer Forschungsfrage).

Ein Codebuch das bei dieser Analyse hilft, müsste also nun diverse Kategorien von Falschinformationen enthalten, die auf Social Media so vorkommen können.

Hier ein Beispiel aus einem echten Codebuch von Memon & Carley (2020):

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Hier haben die Autoren also 16 Kategorien definiert, in die sie ihr Material einordnen können. Das gesamte Codebuch habe ich dir hier verlinkt.

Zu jeder diese Kategorien findest du im Codebuch nun eine ausführliche Beschreibung, Beispiele und eine Begründung, warum das Beispiel dieser Kategorie zugeordnet wurde.

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Selbst ein Codebuch erstellen

Ein Codebuch solltest du nur dann selbst erstellen, wenn du nach ausgiebiger Recherche kein geeignetes Codebuch gefunden hast, das du für deine Zwecke verwenden oder modifizieren kannst.

Aufbau eines Codebuchs

Das Codebuch hat wie eine wissenschaftliche Arbeit mehrere Kapitel und sollte der Übersichtlichkeit halbe unbedingt strukturiert werden. Wenn nötig mit einem kleinen Inhaltsverzeichnis.

Hier ein Vorschlag für eine Struktur

#1 Einleitung

Hier reicht ein kurzer Absatz. In welchem Kontext wurde das Codebuch entwickelt? Wozu eignet es sich? Baut es auf einem vorhandenen Codebuch auf? Wenn ja, welchem? Mit welchem Datensatz wurde das Codebuch entwickelt?

#2 Übersicht der Kategorien bzw. Codes

Hier fügst du einfach eine Übersichtstabelle ein, die alle Codes und IDs auflistet. So wie in dem gezeigten Beispiel.

#3 Beschreibung der Codes

Die Codes selbst können sich auf zweierlei Art ergeben:

1. Codes aus der Literatur/einem vorhandenen Codebuch

Hier solltest du dann natürlich die Quelle angeben.

2. Codes aus die du aus deinen Daten entwickelt hast

Ein Codebuch lässt sich erweitern, wenn du auf eine neue Kategorie stößt. Dann legst du in deinem Codebuch eine neue Kategorie an.

Jeder Eintrag im Codebuch sollte sich folgendermaßen zusammensetzen:

  1. Titel des Codes
  2. Beschreibung in eigenen Worten, was die Kategorie aussagt. Nenne ebenfalls Bedingungen, wann dieser Code greift.
  3. Festlegung der Analyse-Einheit (Tweet, Kommentar, Video, Textschnipsel, etc.) (siehe Rössler, 2017)
  4. Mindestens ein Beispiel (besser mehrere) aus einem echten Datensatz
  5. Erklärung, warum das oder die Beispiele mit diesem Code versehen werden

Für Punkt 4 und 5 kannst du auch eine Tabelle anlegen, wie in dem verlinkten Beispiel. Es ist wichtig, dass das Codebuch möglichst übersichtlich gestaltet ist, damit es einfach zu verwenden ist.

#4 Referenzen

Zuletzt listest du alle Quellen auf, die in deinem Codebuch vorkommen, wie bei jeder guten wissenschaftlichen Arbeit 🙂

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Auf ein vorhandenes Codebuch zurückgreifen

Ein eigenes Codebuch erstellen zu müssten kann sehr aufwendig sein. Mach dich deshalb zuerst auf die Suche nach einem bereits existierenden Exemplar.

Eine gute Anlaufstelle sind sogenannte Open-Science Datenbanken. Dort teilen WissenschaftlerInnen Datensätze und andere Dinge, um anderen ihre Arbeit zu erleichtern. Und dort teilen viele Forschende eben auch ihre Codebücher. Beispiele für solche Datenbanken sind:

Eine andere Möglichkeit, um an Codebücher zu kommen, ist es die Autoren einer Studie anzuschreiben. Es kann sein, dass du in einem Paper liest, wie die Autoren von einem Codebuch berichten, dieses aber nicht im Anhang zur Verfügung stellen. Dann kannst du eine schnelle E-Mail schreiben.

Oft freuen sich die Leute über dein Interesse und schicken dir das Codebuch gerne zu. In manchen Veröffentlichungen werden die Autoren dazu angehalten, ihr Codebuch im Anhang zu hinterlegen. Dann kannst du es ganz einfach benutzen und die entsprechende Veröffentlichung in deinem Methodenteil zitieren.

Natürlich kannst du auch ein Codebuch als Ausgangspunkt nehmen und es für deine Zwecke anpassen. Auch dann solltest du das Original zitieren und genau beschreiben, welche Änderungen du vorgenommen hast bzw. das finale Codebuch in deinem Anhang bereitstellen.


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