Wissenschaftlich Schreiben

Systematische Übersichtsarbeit schreiben (Systematic Literature Review)

Systematische Übersichtsarbeit Systematic Literature Review schreiben deutsch einfach erklärt

Stellst du dich der Herausforderung eine systematische Übersichtsarbeit schreiben zu wollen, beispielsweise als Paper oder Gruppenarbeit, oder etwas ausführlicher als Abschlussarbeit, dann bist du hier genau richtig.

Die Kunst ein solches Review zu schreiben will gelernt sein und hängt stark davon ab wie gut du dir das Handwerkszeug dieser Methode im Vorfeld angeeignet hast.

Damit dein Vorhaben von Erfolg gekrönt wird, habe ich in diesem Artikel 7 Schritte um eine systematische Übersichtsarbeit zu schreiben für dich.

Mit diesen lernst du diese spezielle Methode kennen und kannst du dein methodisches Vorgehen von Anfang bis Ende strukturieren. Das hört sich viel an – aber bei einer solch anspruchsvollen Methode sind diese 7 Schritte alle notwendig.

Also schnappe dir deine Lieblings-Bio-Limonade, lehne dich zurück und schreibe dir die 7 Schritte bitte fein säuberlich mit! 😉

Was ist eine Systematische Übersichtsarbeit?

Bei einer systematischen Übersichtsarbeit handelt es sich um eine alleinstehende wissenschaftliche Arbeit. Das heißt es geht nicht darum, ein Literature Review als Teil einer wissenschaftlichen Arbeit zu schreiben. Wie das funktioniert, das lernst du in meinem Artikel Literature Review schreiben – Aktueller Forschungsstand taufrisch recherchiert.

Die systematische Übersichtsarbeit wird oft auch Systematic Literature Review (SLR) oder Systematic Review genannt.

Ihren Ursprung hatte diese Textform in der Medizin, da hier oft eine Vielzahl kleiner Studien und Ergebnisse zusammengefasst werden muss. Mittlerweile hat sich die systematische Übersichtsarbeit aber in fast allen anderen Disziplinen ebenfalls bewährt.

Nicht verwechseln!
Neben der systematischen Übersichtsarbeit existieren außerdem die Formen des narrativen Reviews, die Meta-Analyse und einige weitere Formen. Das narrative Review ist aus der Sicht einer Expertin geschrieben und gewichtet einige Quellen mehr als andere um eben das beabsichtigte Argument besser aufzubauen.

Bei der Meta-Analyse geht es weniger um das Zusammenfassen einzelner Studien, sondern deren statistischer Berechnungen. Hier wird sich also einzelnen Ergebnissen aus verschiedenen Studien bedient und diese zu einem übergreifen Bild zusammengefügt. 

Aber nun zurück zur systematischen Übersichtsarbeit. Das wichtigste Merkmal einer solchen Studie steckt im Wort „systematisch“. Denn wenn du meinen Artikel zum methodischen Vorgehen gelesen hast, dann weißt du dass die Replizierbarkeit eines Forschungsdesign besonders wichtig ist.

Ziele einer Systematischen Übersichtsarbeit

Die Literatursuche wird in einer systematischen Übersichtsarbeit also nach einem festgelegten Schema vollführt, sodass bei wiederholter Anwendung im Idealfall die gleichen Ergebnisse herauskommen.

Die systematische Übersichtsarbeit kann 3 verschiedene Ziele verfolgen:

  • Sie trägt dazu bei, ein Verständnis für einen Forschungsbereich zu entwickeln und ein Thema ausführlich zu erklären.
  • Ein SLR bietet Forschenden einen komprimierten Überblick einer riesigen Anzahl an Publikationen zu einem Thema
  • Die Arbeit kann als Basis zur Theorieentwicklung oder -prüfung verwendet werden

Damit auch du eine solche Arbeit anfertigen kannst, schauen wir uns nun die 7 Schritte an. Diese setzen sich zusammen aus meiner eigenen Erfahrung, sowie den Arbeiten von vom Brocke et al. (2015) und Durach et al. (2017).

Mache dich mit dem Thema vertraut #1

Und zwar völlig unsystematisch.

Um in eine systematische Suche starten zu können, musst du ein grundlegendes Verständnis vom Thema haben. Zwar beißt sich hier die Katze ein wenig in den Schwanz, denn schließlich schreibst du ja die Übersichtsarbeit, um genau das zu erreichen.

Aus Erfahrung hat sich jedoch herausgestellt, dass du einen viel leichteren Einstieg in den systematischen Teil deiner Arbeit hast, wenn du erstmal kreuz und quer liest. Beachte dabei 3 Dinge:

  • Berücksichtige auch Quellen außerhalb deiner Disziplin
  • Schau mal in Enzyklopädien, Wikipedia oder populärwissenschaftliche Texte
  • Setze dir ein Zeit- oder Seitenlimit um das Ganze nich ausschweifen zu lassen

Kenne den Grund deiner Übersichtsarbeit #2

Deine Arbeit wird nur als gut befunden, wenn du glasklar argumentieren kannst, warum du eine systematische Übersichtsarbeit als Ansatz gewählt hast und welchen Mehrwert sie dir und der Leserschaft deiner Arbeit bringt.

Wenn du hier nicht so recht weiter weißt, dann lies dir die methodische Beschreibung anderer, erfolgreich publizierter Übersichtsarbeiten durch. So bekommst du eine Idee, wie du argumentieren kannst.

Die Argumentation, die du hier im Methodenteil verfolgen solltest, hängt zudem mit dem Ziel der Arbeit ab. Überlege also, welches der vorhin genannte Ziele für dich am meisten zutrifft und argumentiere auf dieser Basis warum du…

  • eine systematische Übersichtsarbeit gewählt hast
  • diese systematisch sein soll (und nicht etwa kritisch oder narrativ)
  • deinen Suchvorgang nach bestimmten Kriterien festgelegt hast

Systematische Übersichtsarbeit Systematic Literature Review schreiben deutsch bachelorarbeit

Definiere deine Suchbegriffe #3

Nun kommen wir zum „systematischen“ an deiner Übersichtsarbeit. Hier hast du schier unendliche Möglichkeiten zur Verfügung, wie du deine Literatursuche aufbauen kannst.

Um das Ganze ein wenig zu vereinfachen, definieren vom Brocke und Kollegen vier Dimensionen:

  1. Prozess: Dieser kann, abhängig vom Ziel der. Literatursuche entweder sequentiell ablaufen, also praktisch „in einem Abwasch“ oder iterativ sein, also in mehreren Durchgängen zu verschiedenen Zeitpunkten.
  2. Quellen: Hierzu gehören die Datenbanken, die du für deine Suche auswählst oder andere Metriken wie die Häufigkeit der Zitationen etc. Die einfachste Variante ist es meistens, die wichtigsten Datenbanken deiner Disziplin zu verwenden und zu argumentieren, dass diese die Forschungsliteratur zu deinem Thema möglichst gut abdecken.
  3. Abdeckung: Soll deine Übersichtsarbeit so viel Literatur wie möglich wiedergeben oder sich auf die wichtigsten Arbeiten fokussieren?
  4. Suchtechniken: Hierzu gehören die Keyword-Suche, die Forward- und die Backward-Search.

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Lege deine Such-Parameter fest #4

Jetzt befinden wir uns schon im Suchprozess und bei den eben genannten Techniken. In der Regel startest du mit einer Keyword-Suche, d.h. du identifizierst nun deine Schlagworte und mehrere Kombinationen davon. Diese solltest du so wählen, dass die Suche nach diesen Schlagwörtern die Forschung ausspuckt, die du haben willst.

Nehmen wir beispielsweise mal an, du möchtest eine Übersichtsarbeit zum Thema „Sprachassistenten in der Medizin“ schreiben. Hier bräuchtest du verschiedene Varianten von „Sprachassistent“, also z.B. „Conversational Agent“, „Digital Assistent“ oder vergleichbare Begriffe. Je nach Ausrichtung würdest du diesen Begriff dann mit „Care“ oder „Clinical“ oder vergleichbaren Begriffen kombinieren.

In der Suchmaske der Datenbanken kannst du außerdem Befehlen wie AND oder OR verwenden, also z.B. („conversational agent“ OR „digital Assistent“) AND („care“ OR „clinical“).

Definierst du deine Suchbegriffe zu breit, kann es passieren dass du viel zu viel Literatur ausgespuckt bekommst und du dann viel mehr Arbeit beim aussortieren hast. Im Beispiel von gerade wäre eine Suche nach „Artificial Intelligence“ zum Beispiel viel zu breit, um die gewünschte Literatur zu bekommen.

Legst du die Suchbegriffe zu eng fest, dann könnten dir möglicherweise wichtige Publikationen durch die Lappen gehen und dein Review ist unvollständig. Im Beispiel wäre „digital voice care assistent“ ein unbrauchbares Keyword.

Verwende Säulen-Paper als Fundament deiner Analyse #5

Nachdem du durch deine systematische Literatursuche eine Vorauswahl an Artikeln und Beiträgen getroffen, hast musst du nun jene identifizieren, welche die höchste Relevanz für dein Thema und deine Forschungsfrage aufweisen.

Das erreichst du, indem du beispielsweise die Abstracts aller Paper liest und diejenigen aussortierst, die nicht so richtig zum Thema passen. Natürlich sollte dies auch wieder möglichst systematisch geschehen.

Übrig bleibt nun eine vertretbare Anzahl an relevanten Artikeln, die du nun ausführlich liest und in deine Analyse aufnimmst. Ich werde oft nach Richtwerten gefragt – für eine Bachelorarbeit wäre eine Anzahl von 20-25 Artikeln wohl vertretbar und für eine Masterarbeit entsprechend das doppelte.

Indem du deine Auswahlkriterien verschärfst oder lockerst, kannst du entsprechend die Anzahl der relevanten Artikel variieren. Aber beachte dabei: Relevant bleibt relevant und manchmal ergibt ein systematisches Review 10 relevante Paper und manchmal 50. Du kannst dann immer noch entscheiden, wie tief du in die Analyse einsteigst, je nachdem wie viel Ressourcen dir zur Verfügung stehen bzw. wie viel von dir gefordert wird.

In den allermeisten Fällen ist eine in die Tiefe gehende Analyse mit wenig relevanter Literatur mehr wert als eine oberflächliche Analyse mit vielen irrelevanten Artikeln.

Halte dich bei deiner Analyse immer an die wichtigsten Werke. Das erkennst du meistens daran, wie oft sie zitiert und in welchen Outlets sie veröffentlicht wurden.

Begründe jeden Schritt deines Such- und Auswahlprozesses #6

Wenn du meinen Artikel zum methodischen Vorgehen bereits kennst, dann weißt du wie wichtig dieses Prinzip ist. Besonders bei systematischen Übersichtsarbeiten wird enormer Wert darauf gelegt, wie konsequent das Forschungsdesign gestaltet und Umgesetze wurde.

Dazu gehören Begründungen für jeden nur erdenklichen Schritt. Zum Beispiel:

  • Warum wurden diese und jene Datenbanken ausgewählt?
  • Wurden bestimmte Disziplinen, Journals oder Konferenzen ausgeschlossen und warum?
  • Welche Keywords sind relevant und wie wurden sie ausgewählt?
  • Hätten bestimmte Techniken wie eine Backward-Search die Suche verbessern können?

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Stelle deinen Prozess grafisch dar #7

In einer systematischen Übersichtsarbeit ist es unumgänglich viel mit Tabellen und Abbildungen zu arbeiten. In der Analyse ist es beispielsweise ein oft bewährtes Mittel eine große Tabelle aller relevanten Artikeln anzulegen und eine Art Matrix anzufertigen. Hier kannst du dann grafisch darstellen welche inhaltlichen Aspekte oder Forschungsergebnisse in den einzelnen Arbeiten vorkommen und welche nicht.

So kannst du dann beispielsweise Bereiche identifizieren, die noch nicht genügend erforscht wurden oder andere Muster erkennen, welche dann als Ergebnis deiner Arbeit dienen.

Hier ein Beispiel aus Montenegro et al. (2019):

Außerdem hilft eine grafische Repräsentation deines Suchvorgangs, z.B. mit einem Flussdiagramm. Hier kannst du dann jeden Schritt einzeln aufzeigen. Diese Abbildung würde ich im Kapitel des methodischen Vorgehens platzieren.


Puh, das war viel Input.

Ich hoffe inständig, dass du die Lust an einer systematischen Übersichtsarbeit nicht verloren hast. Sie bietet nämlich wirklich einzigartige Chancen und kann zu einer wirklich hochwertigen Abschlussarbeit oder Studie werden. Wenn du irgendwelche Fragen zu dieser Art der wissenschaftlichen Arbeit hast, dann stelle sie bitte in den Kommentaren, ich beantworte sie gern!

Ich wünsche dir einen systematischen Rest des Tages und sage bis zum nächsten Mal! 🙂


Wenn du jetzt auf dem Weg zu mehr Erfolg im Studium noch ein wenig Starthilfe für deine wissenschaftliche Arbeit benötigst, dann habe noch ein PDF für dich, das du dir gratis herunterladen kannst:

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