Wissenschaftstheorie - einfach erklärt

Was ist ein Konzept? (Wissenschaftstheorie einfach erklärt)

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Du liest in der wissenschaftlichen Fachliteratur immer wieder von theoretischen Konzepten, aber so richtig greifbar ist der Begriff des „Konzepts“ für dich noch nicht und du fragst dich: Was ist ein Konzept denn wirklich, wenn man diesen Begriff mal abstrakt betrachtet?

Hier bekommst du die Antwort.

Denn in diesem Artikel gehe ich dem Begriff des Konzepts auf den Grund und erschließe dessen wissenschaftstheoretische Bedeutung. Dabei werde ich versuchen zu erklären was ein Konzept ist, ohne dabei eine Vielzahl weiterer akademischer Fachbegriffe zu verwenden, um nicht komplizierter zu machen, was eigentlich ganz einfach ist.

Bleibe aber unbedingt bis zum Ende dran, denn dann erkläre ich dir, wie du in deinem Alltag an der Uni mit Konzepten umgehen solltest. So bist du optimal dafür gerüstet, Konzepte sicher und angebracht in deine wissenschaftlichen Arbeiten und Wortmeldungen im Studium einzubringen und so in neue Notensphären einzudringen.

Das Konzept – ein sprachliches Messinstrument

Die Sprache ist ein immens wichtiges Werkzeug auf dem Weg zu neuem Wissen. Während die Naturwissenschaften die zu untersuchenden Gegenstände, also Ereignisse oder Phänomene aus der realen Welt, messen und in Zahlenwerten und Formeln ausdrücken können, brauchen die Sozialwissenschaften ein anderes Werkzeug.

Die Gegenstände der Sozialwissenschaften, also Phänomene und Ereignisse, die in der geistigen Welt oder durch die Wechselwirkung von menschlicher Interaktion anzutreffen sind, können durch Sprache (in Anführungszeichen) „gemessen werden“.

Ob das überhaupt sinnvoll ist und wie das genau funktionieren kann, darüber hat sich die Philosophie seit über 2300 Jahren, bis hin zu Lebzeiten von Aristoteles die Köpfe zerbrochen.

Und bis heute existiert der Standpunkt, dass Sprache gar nicht dazu dienen kann, um die Wirklichkeit zu erfassen, da die Wirklichkeit absolut und unveränderlich ist. Sprache hingegen wird in unseren Köpfen konstruiert und ist oft ziemlich subjektiv darin, wie sie interpretiert wird.

Das Konzept – eine rudimentäre Definition

Wer mit Konzepten arbeitet, outet sich jedoch sozusagen als Befürworter einer anderen Position, nämlich dass die Wirklichkeit ohnehin subjektiv ist und nur das wirklich ist, was wir wahrnehmen und in Worten ausdrücken können.

Aber was ist ein Konzept?

Das Konzept ist ein Begriff oder Terminus, der dabei hilft „logische Strukturen zu schaffen, um am Ende eine fundierte Bewertung des Untersuchungsgegenstandes vornehmen zu können“ (Hartleb, 2011, S. 109)

Am besten kannst du dir das mit einer Reihe von Beispielen verdeutlichen.

Was ist ein Konzept? Ein Beispiel

„Glück“, oder im Englischen = happiness) ist zum Beispiel ein Konzept.

Dieser abstrakte Begriff soll beschreibt ganz speziell die innere Gefühlswelt eines Menschen. Und wenn ich von Glück rede, dann kannst du dir etwas darunter vorstellen. In unserem Sprachgebrauch haben wir uns grob darauf geeinigt, was mit Glück gemeint ist. Aber schon hier tut sich ein erstes Problem auf: Dir fallen bestimmt auf Anhieb ein paar Individuen ein, die Glück völlig unterschiedlich definieren würden.

Übertragen wir nun das Konzept „Glück“ in die Wissenschaft, dann wird das Problem ein riesengroßes. Denn wenn WissenschaftlerInnen Phänomene mit dem Konzept „Glück“ beschreiben wollen, dann müssen sie sicherstellen, dass alle auch die gleiche Idee von „Glück“ haben. Und das ist verdammt schwierig.

Das gleiche gilt für ähnlich geartete Konzepte wie „Zufriedenheit“ (engl.=satisfaction) oder „Freude“ (engl.=joy). Besonders die Psychologie beißt sich die Zähne daran aus, solche Konzepte zu definieren und messbar zu machen.

Eine wichtige Eigenschaft von Konzepten ist also, dass sie präzise definiert sind.

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Konzepte in wissenschaftlichen Arbeiten verwenden

Wenn du also in deinen wissenschaftlichen Arbeiten Konzepte verwendest, dann solltest du deutlich machen, wie du diese Konzepte definierst. Hast du mehrere zentrale Konzepte, hilft eine Tabelle. Dort kannst du die Konzepte auflisten und mit einer Definition versehen. Natürlich musst du hier nur Konzepte aufführen, die zentral für dein Argument sind oder Bestandteil deiner theoretischen Basis, z.B. für eine empirische Untersuchung. Wörter des allgemeinen Sprachgebrauchs müssen nicht definiert werden.

Wissenschaftlicher Konsens

Da sich schon viele schlaue Leute Gedanken über die Definition einzelner Konzepte gemacht haben, bietet es sich natürlich an, in der Literatur nach solchen Definitionen zu suchen und diese zu zitieren. Natürlich gibt es auch hier Unterschiede und verschiedene Definitionen des gleichen Konzepts.

Die Anzahl der Zitationen, die eine Quelle aufweist ist ein kleiner Indikator dafür, wie viel Konsens hier besteht, also wie viele andere WissenschaftlerInnen der entsprechenden Arbeit Tribut zollen und selbst darauf aufbauen. Trotzdem solltest du selbst mit der Definition einverstanden sein und überprüfen ob sie auch das widerspiegelt, was du mit dem Konzept meinst.


Betrachten wir nun noch einmal ein weiteres Beispiel, das etwas mehr Konsens aufwiest als das „Glück“. Und das Beispiel lautet:

„Soziale Marktwirtschaft.“

Wie du sicherlich weißt, beschreibt dieses Konzept die Wirtschaftsordnung, die wir zum Beispiel in Deutschland vorfinden. An der Entstehung dieses Konzepts kann man ganz prima nachvollziehen, wie die Entwicklung eines Konzepts von der Wissenschaft bis in den allgemeinen Sprachgebrauch funktionieren kann.

Laut Wikipedia führte Alfred Müller-Armack dieses Konzept erstmals 1947 in seiner Arbeit „Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft“ ein. Üblicherweise wird der Begriff dann in Forschungskreisen hin- und her-diskutiert und mit immer mehr Aufsätzen und Forschungsarbeiten entsteht irgendwann eine Art Konsens. In manchen Fällen aber auch nicht.

Im Falle der Sozialen Marktwirtschaft ereignete es sich so, dass irgendwann die CDU vereinzelt in einigen Wahlprogrammen davon sprach. So schwappte das Konzept über politische Kreise in den allgemeinen Sprachgebrauch über und seine Definition ist ist nun weitgehend akzeptiert.

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10 Kriterien eines guten Konzepts (Sozialwissenschaften)

Um dir abschließend noch eine Übersicht des Gelernten mit auf den Weg zu geben, möchte ich dir die 10 Kriterien eines guten sozialwissenschaftlichen Konzepts mit auf den Weg geben, die Gerring 1999 aufstellte und Hartleb (2011) sie auf Seite 111 zitiert.

Spätestens anhand dieser Kriterien wird klar, was ein Konzept ist und was du beachten solltest, falls du mal eins definieren möchtest.

#1 Vertrautheit. Wie vertraut ist das Konzept einer akademischen Öffentlichkeit („scientific community“) bzw. hat es das absehbare Potential, vertraut zu werden?

#2 Resonanz. Wie „klingt“ der Terminus?

#3 Sparsamkeit. Wie kurz und griffig sind der Terminus und dessen Eigenschaftsliste?

#4 Kohärenz. Wie kohärent und in sich logisch sind Beispiele und Eigenschaften?

#5 Differenzierung. Wie differenziert sind die Anwendungsbeispiele und die Attribute, ebenso Abgrenzungsmerkmale von ähnelnden Konzepten?

#6 Tiefe. Wie viele Eigenschaften entsprechen nach Untersuchung der Anwendungsbeispiele der Ausgangsdefinition?

#7 Theoretischer Nutzen. Wie nützlich ist das Konzept mit Blick auf Folgerungen und Rückschlüsse? Kann dem Konzept eine Theorie unterlegt werden?

#8 Reichweite. Erfasst das Konzept ein Feld aufeinander beziehbarer Beispiele und Eigenschaften?

#9 Genealogie. Lässt sich eine stringente, wie auch immer begründbare Entstehungs- oder Entwicklungsgeschichte als Plausibiliätskriterium nachweisen?

#10 Falsifizierbarkeit. Lasst sich nachweisen, dass das Konzept auf einige Anwendungsbereiche eben nicht und damit eben keine Überdehnung stattfindet?


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