Wissenschaftlich Schreiben

Exzerpt schreiben | So sezierst du auch den schwierigsten Text

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Wenn du weißt, wie du ein Exzerpt schreiben kannst, hast du bei der Erstellung deiner wissenschaftlichen Arbeit einen großen Schritt nach vorne gemacht. Hast du deine Literaturrecherche abgeschlossen, siehst du dich einem Berg an Quellen gegenüber und weißt nicht, wie du ihn bewältigen sollst.

Dazu kommt, dass einige Quellen echte Brocken sind. Sie sind lang, sperrig und schwierige zu verstehen. In solchen Fällen kannst du ein Exzerpt schreiben, um die Texte systematisch auseinanderzunehmen und ihnen die Informationen, Textstellen und Argumente zu entziehen, die du für deine wissenschaftliche Arbeit brauchst.

In diesem Artikel bekommst du deshalb eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Exzerpt schreiben. Außerdem habe ich eine Tabellen-Vorlage für dich, mit der du sofort loslegen kannst. Danach wirst du einen viel besseren Überblick über die Literatur gewinnen und wirst keine Probleme haben, in die Textproduktion für deine wissenschaftliche Arbeit einsteigen.

Was ist ein Exzerpt?

Die Begriffsbezeichnung des Exzerpts stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Auszug“. Im übertragenden Sinne ziehst du also alle für dich wichtigen Informationen aus dem Text, den du exzerpieren möchtest.

Ein Exzerpt muss sich jedoch nicht nur auf Informationen beschränken. Je nach dem was deine Absicht ist, kannst du auch Argumentationsmuster, bestimmte sprachliche Eigenheiten oder andere Elemente, nach denen du auf der Suche bist, exzerpieren.

Das Ziel ist immer die systematische Vereinfachung und Zusammenfassung des Originaltextes.

Exzerpte schreiben kannst du von Sachtexten, Zeitungsartikeln und dem Twitter Feed von Donald Trump. In der Regel wird diese Technik jedoch im Kontext von wissenschaftlicher Literatur angewendet. Aus diesem Grund werden wir uns im folgenden Tutorial an dieses Beispiel halten.

Warum solltest du überhaupt ein Exzerpt schreiben?

Das Schreiben eines Exzerpts hat aus meiner Sicht drei Vorteile.

Übersicht #1

Exzerpierst du die zentralen Texte, die deiner wissenschaftlichen Arbeit zugrunde liegen, kannst du einen abstrakten Blick auf die Arbeiten werfen. Du weißt, welche Unterschiede zwischen AutorInnen bestehen, wie sich Ansichten und Definitionen unterscheiden. Du kannst die Originalquellen gegenüberstellen und kontrastieren und besser argumentieren.

Besonders beim Schreiben eines Literatur-Reviews kann dir eine Auswahl an Exzerpten die nötige Tiefe geben, die du brauchst um es herausragend zu machen. Oftmals kratzt ein Literatur-Review nur an der Oberfläche. Deskriptiv werden hier die Quellen aus der Recherche aneinandergereiht und deren Hauptaussagen wiedergegeben.

Das ist auch gut und schön, aber wenn du reichhaltige Exzerpte angefertigt hast, kannst du die Quellen miteinander in Verbindung setzen und eigenständig argumentieren, welche Literatur für deine wissenschaftliche Arbeit die Basis darstellt und warum.

Verständnis #2

Ein weiterer offensichtlicher Vorteil von Exzerpten ist das gesteigerte Textverständnis. Hast du anspruchsvolle Grundlagenliteratur vor dir liegen, die vor vielen Jahrzehnten von den Größen deiner Forschungsdisziplin verfasst wurden, sind diese meist keine leichte Kost.

Ein Exzerpt bricht einen Text auf und offenbart dir seine Aussagen. Was dir zuvor durch passives Lesen verborgen blieb, ist nun sichtbar. So hast du während der Textproduktion deiner eigenen Arbeit viel weniger Probleme, deine eigenen Worte zu verwenden und kannst darüber hinaus jederzeit eloquent über die Text reden und diskutieren.

Katalogisierung #3

Exzerpte zu schreiben hilft außerdem dabei, deine Literaturauswahl durchsuchbar und schnell verfügbar zu machen. Stell dir vor, du erstellst deine eigene kleine Datenbank.

Wahrscheinlich wirst du im Laufe deines Studiums nicht nur eine wissenschaftliche Arbeit schreiben. Mit einem Katalog an Exzerpten, der stetig wächst, kannst du mit jeder Arbeit auf einen immer größeren Wissensschatz zugreifen.

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Mit Tabelle exzerpieren

Die Exzerpier-Technik, welche ich dir nun empfehlen möchte, basiert auf einer Tabelle. Eine Exzerpier-Tabelle ermöglicht es, dass deine Exzerpte standardisiert sind. Das hilft dir im Nachhinein dabei, die Auszüge besser wiederzufinden.

Außerdem bietet die Tabelle gleichzeitig den Leitfaden für die Schritte, die du unternehmen musst, um ein vollständiges Exzerpt schreiben zu können.

Digital oder Analog?

Bevor wir zur Tabelle übergehen, musst du eine wichtige Entscheidung für dich treffen. Willst du mit Papier und Stift exzerpieren oder das ganze digital umsetzen?

Wenn du meinem Blog schon länger folgst, wirst du wissen, dass ich die digitale Variante bevorzuge. Handschriftliche Exzerpte kannst du nicht automatisch durchsuchen und auch Textstellen wie beispielsweise direkte Zitate kannst du nicht einfach kopieren und einfügen.

Außerdem wirst du wissen, dass ich die Verwendung eine Literatur-Management Software ausdrücklich empfehle. Benutzt du beispielsweise Citavi, kannst du es auch für die Verwaltung deiner Exzerpte verwenden und du hast alles an einem Ort.

Wenn du außerdem in der Lage sein möchtest, deine wissenschaftlichen Arbeiten von jedem Ort der Welt anzufertigen, dann ist die digitale der handschriftlichen Variante überlegen.

Aber diese Entscheidung liegt ganz bei dir.

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Exzerpier-Tabelle

Für die eigentliche Technik ist es unerheblich, ob du digital oder analog vorgehst. Die Tabelle, die ich dir empfehle funktioniert für beide Varianten.

Und so sieht sie aus:

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Wenn du dir ein paar Sekunden Arbeit sparen möchtest, kannst du hier die Exzerpier-Tabelle im Word-Format gerne herunterladen.

In 4 Schritten zum vollständigen Exzerpt

Nun starten wir mit dem eigentlichen Exzerpieren. Diesen Vorgang habe ich in 4 Schritte unterteilt.

Kontext verstehen #1

Lies den Text einmal in Gänze. So kannst du dir ein vollständiges Bild machen ohne dabei zu oft unterbrochen zu werden. Hier kannst du bereits grob abschätzen, in welche und wieviele gedankliche Abschnitte der Text gegliedert ist. Oft helfen dir dabei auch schon die Absätze und Unterüberschriften.

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Ziele festlegen #2

Bevor du nun dein Exzerpt schreiben kannst, musst du dir im Klaren sein, wonach du überhaupt suchst. Es kann sein, dass dein Text nur an wenigen Stellen überhaupt relevant für dich und deine wissenschaftliche Arbeit ist. Das kann daran liegen, dass du eine stark fokussierte Forschungsfrage untersuchst, die eben nur Teilbereiche der vorliegenden Quelle als Basis benötigt.

Hier ein paar Beispielfragen, die ein Exzerpt für dich beantworten kann:

Wie ist Begriff X definiert?

Was ist der Standpunkt des Autors/der Autorin zu Thema X?

Wie ist der aktuelle Stand der Forschung zu Thema X?

Fragen, Direktzitate, Informationen – Wonach suchst du? Manchmal nimmst du einen Text nur in die Hand, weil du auf der Suche nach einer Begriffsdefinition bist. In anderen Fällen jedoch, weil du eine komplizierte wissenschaftliche Theorie verstehen willst.

Erstelle deine Exzerpte deshalb immer mit deiner Intention im Hinterkopf und nicht ins Blaue hinein.

Exzerpt schreiben #3

Jetzt füllst du die Tabelle aus. Machen wir das Ganze mal anhand eines einfachen Beispiels. Für deine wissenschaftliche Arbeit bist du auf der Suche nach einer Definition für den Begriff „Fake News“.

Ganz links trägst du die wissenschaftliche Quelle ein, die du hier zu Rate ziehst. Trage dann das Thema in die zweite Spalte ein. In der dritten Spalte sammelst du nun Textstellen. Dieses Vorgehen ist hier am besten geeignet, da du eine Definition meistens als Direktzitat in deine Arbeit einbauen würdest.

 

In der Spalte ganz rechts hast du nun noch Platz für Anmerkungen, die wichtig für dich und deine Arbeit sind. Hier schreibe ich meist Ideen und Probleme hinein, die mir beim Lesen in den Kopf kommen.

So könnte deine Exzerpier-Tabelle nun aussehen:
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Zusammenfassen #4

Hättest du hier ein noch ein weiteres Ziel, z.B. hinsichtlich des Verständnisses, dann könntest du in die dritte Spalte auch wichtige Passagen aus deiner Quelle in eigenen Worten zusammenfassen. Gerne kannst du den Texten auch beides entziehen, also sowohl Textstellen, die sich für direkte Zitate eignen, als auch Zusammenfassungen in eigenen Worten.

Beides hilft dir im Anschluss beim paraphrasieren, wenn du in der Textproduktion bist. Mehr zum Thema Paraphrasieren findest du auch in meinem Artikel Paraphrasieren in wissenschaftlichen Arbeiten |❝ 3 Beispiele für korrektes Zitieren ❝.


Wenn du dich nun in deiner Tabelle weiter nach unten arbeitest, kannst du bei der gleichen Quelle bleiben und ein neues Ziel definieren. Statt „Fake News Definition“ könntest du nun „Fake News auf Facebook“ als neues Thema aufmachen.

Hat die Quelle ausgedient und war nur zum Zweck der Definition hilfreich, dann starte die nächste Zeile in deiner Tabelle mit einer neuen Quelle. Hier könnte es auch wieder um „Fake News Definition“ gehen oder aber um etwas völlig anderes.

Im Gesamtüberblick kann es jedoch für dich Sinn ergeben, einzelne Exzepier-Tabellen für unterschiedliche Themen anzulegen. Wenn du 20, 30 oder noch mehr Quellen durcharbeiten willst, dann kann eine einzelne Tabelle schnell unübersichtlich werden.


Wenn du jetzt auf dem Weg zu mehr Erfolg im Studium noch ein wenig Starthilfe für deine wissenschaftliche Arbeit benötigst, dann habe noch ein PDF für dich, das du dir gratis herunterladen kannst:

Die 30 besten Formulierungen für eine aufsehenerregende Einleitung


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