Wissenschaftlich Schreiben

Indirektes Zitieren in wissenschaftlichen Arbeiten (Tutorial)

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Indirektes Zitieren ist eine grundlegende, ja vielleicht sogar die wichtigste Technik, die du für die Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten beherrschen musst.

Dabei gibst du den Inhalt einer Quelle nicht „direkt“, sondern in paraphrasierter Form wieder, ohne dabei die Bedeutung des Originaltextes zu verändern.

In diesem Artikel möchte ich dir ein schnelles Tutorial an die Hand geben, damit du indirektes Zitieren üben, anwenden und schließlich meistern kannst.

Zunächst lernst du von mir die 5 Grundregeln für indirektes Zitieren, damit deine Arbeit auch der guten wissenschaftlichen Praxis entspricht und Plagiarismus gar nicht erst in die Nähe deiner wissenschaftlichen Arbeit kommt.

Darüber hinaus spielen wir 3 konkrete Textbeispiele für indirektes Zitieren durch, von denen du dir die Technik abschauen und auf deine eigene Arbeit übertragen kannst. So kannst du sofort loslegen und deine wissenschaftliche Arbeit mit dringend gebrauchtem Inhalt füllen.

5 Grundregeln für indirektes Zitieren

Um indirekte Zitate korrekt in deine wissenschaftliche Arbeit einzubauen, gilt es einige kleine Regeln zu beachten.

#1 Ein indirektes Zitat wird nicht mit Anführungszeichen angegeben, sondern fügt sich nahtlos in den Text deiner wissenschaftlichen Arbeit ein.

#2 Der Sinn der Aussage, die du zitierst muss beibehalten werden.

#3 Sofern Regel 2 dadurch nicht beeinträchtigt wird, solltest du deine eigene Wortwahl finden, d.h. die Aussage so wiedergeben, wie du sie auffasst. Zuvor ein Exzerpt zu dieser Quelle zu schreiben kann dir dabei enorm helfen. Mehr dazu hier: Exzerpt schreiben – So sezierst du auch den schwierigsten Text.

Elementar wichtige Begriffe, die beispielsweise durch ebenjenen Text den du zitierst geprägt wurden, sollten selbstverständlich beibehalten werden.

#4 Auch die Grammatik der originalen Textstelle sollte nicht übernommen werden. Einfach nur Wörter in der identischen Satzstruktur zu ersetzen riecht nicht aus, um indirektes Zitieren korrekt auszuüben.

#5 Das indirekte Zitat wird durch einen Quellenverweis markiert. Und zwar an der Stelle, an der das indirekte Zitat endet. Im deutschen (Deutsche Zitierweise) weist zusätzlich ein „vgl.“ (=vergleiche) vor den Autorennamen auf ein indirektes Zitat hin. Im Englischen (Harvard, APA, etc.) gibt es so etwas nicht.

Du solltest dich von diesen Regeln allerdings nicht zu sehr einschüchtern lassen. Solange du sauber auf die Quellen verweist und keine fremden Inhalte als deine eigenen ausgibst, musst du keine Angst vor einem Plagiatsvorwurf haben.

Wenn du hier noch tiefer in die Techniken des indirekten Zitieren einsteigen möchtest, dann kann ich dir meine Anleitung zum Paraphrasieren in wissenschaftlichen Arbeiten ans Herz legen.

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Verwendung indirekter Zitate in deiner wissenschaftlichen Arbeit

Damit du genau weißt an welcher Stelle und mit welcher Dosierung du indirekte Zitate in deine Arbeit einstreust, hier einmal alle wichtigen Kriterien in Vorteile und Nachteile unterteilt:

Vorteile von indirekten Zitaten

Keine wissenschaftliche Arbeit der Welt kommt ohne fremde Gedanken aus. Das Werkzeug des indirekten Zitieren erlaubt es uns dennoch, dass wir den Lesefluss unserer eigenen Arbeit durch zu viele wörtliche Zitate untergraben.

Wir können so ein in sich geschlossenes eigenes Werk erschaffen, das die Gedanken und Ideen fremder Wissenschaftler „remixt“ und zusätzlich einen eigenen Mehrwert hinzufügt. Einen eigenen Mehrwert kannst du kreieren, indem du selbst Zusammenhänge aufdeckst, analytisch und schlussfolgernd vorgehst oder eigene empirische Daten sammelst.

Weiterhin erlauben dir indirekte Zitate, dass du dein eigenes Argument ausgestalten kannst, ohne dabei in den Grenzen fremder Texte gefangen zu sein. Damit meine ich, dass du z.B. die Standpunkte verschiedener Autoren verschmelzen lassen kannst, damit sie dein eigenes Argument untermauern.

Am meisten eignen sich indirekte Zitate im Literatur-Review-Kapitel, in dem du den aktuellen Forschungsstand wiedergibst. Hier kannst du auch häufiger davon Gebrauch machen. Hier sind sie wörtlichen Zitaten auch meistens vorzuziehen (Ausnahme: Begriffsdefinitionen).

Nachteile von indirekten Zitaten

Die Wiedergabe fremder Gedanken ist tendenziell sehr deskriptiv. Das bedeutet, wenn deine wissenschaftliche Arbeit zu 100% aus indirekten Zitaten besteht, hast du keinerlei eigene Leistung erbracht (in den Augen der Wissenschaft).

Es braucht einiges an Übung, um fremde Literatur in ein eigenes Argument zu flechten. Allein, weil du oft gar nicht weißt, wie sich das eigene Argument bzw. der Rote Faden deiner Arbeit entwickeln soll.

Hier hilft es, eine klare Unterscheidung in der Gestaltung der Kapitel zu machen. Entwirf ein oder zwei Kapitel, in denen du dich der deskriptiven Aufarbeitung fremder Literatur widmest und viele indirekte Zitate verwendest.

Anschließend benötigst du mindestens ein Kapitel, in dem du analytisch vorgehst und die Eigenleistung deiner wissenschaftlichen Arbeit manifestierst.

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Unterschied zwischen indirektem Zitat und Verweis

Bevor wir nun zu den 3 Beispielen für indirekte Zitate kommen, hier noch ein wichtiger Unterschied. Indirekte Zitate sind nicht zu verwechseln mit Verweisen.

Hier ein Beispiel für einen Verweis:

„…das nachfolgende methodische Vorgehen basiert auf dem Vorbild der qualitativen Inhaltsanalyse (Mayring, 2014).“ 

Im deutschen lässt sich ein Verweis ganz gut erkennen, da kein „vgl.“ in der Quellenangabe auftaucht. Im Englischen könnte das aber schon schwieriger werden. Bei Verweisen wird keine fremde Aussage paraphrasiert, sondern auf weiterführende Literatur „verwiesen“.

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3 Beispiele für indirektes Zitieren

Jetzt aber die 3 Textbeispiele für indirekte Zitate:

#1 Mit Nennung der Autor*Innen im Text

In einer gemeinsamen Studie geben Fortuna und Nunes (2018) einen Überblick über aktuelle Definitionen des Begriffs „Hatespeech“ und wie er sich von anderen verwandten Begriffen unterscheidet. Dabei differenzieren sie Begriffe wie Flaming, Diskrimination, Cyber-Mobbing, Extremismus und Hass im Allgemeinen. 

Bei diesem Beispiel (mit Harvard Zitierstil) werden die Autor*Innen namentlich genannt. So wird das indirekte Zitat eingeleitet. Am Ende des Satzes muss nun keine Nennung der Quelle mehr erfolgen.

#2 Mit Quellenangabe am Ende des indirekten Zitats

Für die vorliegende Arbeit ist es unabdingbar, den Begriff „Hatespeech“ zu definieren und herauszustellen wie er sich von anderen verwandten Begriffen unterscheidet. Dabei kann insbesondere zwischen den Begriffen Flaming, Diskrimination, Cyber-Mobbing, Extremismus und Hass im Allgemeinen unterschieden werden (vgl. Flora und Nunes, 2018). 

Diese Vorgehensweise ist die wohl am häufigsten genutzte. Gern kannst du in deiner Arbeit zwischen beiden Techniken abwechseln, damit du mehr Variation in den Text bringst.

#3 Negativbeispiel

In der Literatur wurden bereits einige Versuche unternommen, den Begriff „Hatespeech“ zu definieren und herauszustellen wie er sich von anderen verwandten Begriffen unterscheidet (vgl. Flora und Nunes, 2018). Dabei kann insbesondere zwischen den Begriffen Flaming, Diskrimination, Cyber-Mobbing, Extremismus und Hass im Allgemeinen unterschieden werden (vgl. Flora und Nunes, 2018). 

In Haus- und Abschlussarbeiten sehe ich dieses Phänomen besonders oft. Mehrere indirekte Zitate der gleichen Quelle folgen aufeinander. Das ist nicht nur unschön, sondern ist auch gar nicht notwendig.

Für den ersten Satz aus dem Beispiel brauchst du gar kein Zitat, wenn du den Satz so umformulierst, wie es in Beispiel zwei der Fall war.

Wenn du über deine wissenschaftliche Arbeit fliegst und feststellst, dass du ein und dieselbe Quelle oft hintereinander zitierst ist das ein eindeutiges Zeichen, dass du noch nicht genügend Literatur recherchiert hast.

„Es gibt aber zu diesem Thema nur ganz wenig Literatur“ – Diese Ausrede lasse ich ebenfalls nicht gelten. Denn schließlich hatte die eine Quelle, die am laufenden Band zitiert wird, ja auch eine genügende Literaturbasis, oder?

Reihe deine indirekten Zitate also schön entlang deines Arguments auf und beleuchte es dabei von allen Seiten. Versuche einen Text zu schreiben, der auch für dich interessant wäre, wenn du ihn lesen würdest. Dann kann dir eigentlich nicht viel passieren und die „Wissenschaftlichkeit“ deiner Arbeit kommt von ganz allein.


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