Wissenschaftlich Schreiben

Wissenschaftlicher Schreibstil | 3 Eigenschaften fachkundiger Texte

Feilst du gerade an deiner Hausarbeit und fragst dich, wie eigentlich ein angemessener wissenschaftlicher Schreibstil auszusehen hat?

In diesem Fall bist du hier nicht nur goldrichtig, sondern platinkorrekt.

Denn in diesem Blog-Artikel weihe ich dich in die Geheimnisse des wissenschaftlichen Schreibens ein – zumindest was Sprache, Ausdruck und Wortgewandtheit anbelangt.

Zunächst verrate ich dir 3 Eigenschaften wissenschaftlicher Texte. Darüber hinaus zeige ich dir, wie du deinen eigenen wissenschaftlichen Wortschatz aufbaust und gebe dir dafür am Ende des Artikels 9 Beispiele für wissenschaftliche Formulierungen mit auf den Weg.

(Deutscher) wissenschaftlicher Schreibstil

Die englischsprachige Wissenschaft macht global gesehen den größten Anteil an Forschungsarbeiten aus. Wissenschaftler aus aller Welt publizieren in der Regel auf Englisch, um ihre Forschung und Gedanken einer weltweiten Community an Gleichgesinnten und Kollegen zugänglich zu machen.

Wenn du als Student deine wissenschaftliche Arbeit auf Englisch verfasst, bist du demnach näher an der „echten“ Wissenschaft. Dies wird entsprechend mit einem kleinen Notenboost gewürdigt, auch wenn Dozenten der „Fairness“ halber gerne das Gegenteil behaupten.

Ein wissenschaftlicher Schreibstil auf englisch zeichnet sich durch simple Sprache und sehr verständlichen Satzbau aus. Hier gilt das Credo, komplexe Zusammenhänge so verständlich wie möglich auszudrücken. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, lies auch meinen Blog-Artikel dazu.

Da wir jedoch davon ausgehen, dass du deine Arbeit (zunächst) auf Deutsch verfasst, widmen wir uns den 3 Eigenschaften, die ein wissenschaftlicher Schreibstil in deutschsprachigen Gebieten mitbringen sollte.

Wissenschaftlicher Schreibstil

Informelle Ausdrucksweise vermeiden (#1)

Anders als ich es in meinen schnippisch formulierten Blog-Beiträgen tue, gilt es in wissenschaftlichen Arbeiten den guten Ton zu bewahren. Füllwörter wie „also“, „nämlich“, „gar“ oder „ja“ sind hier zu vermeiden. Ebenfalls auf der roten Liste: „man“.

Diese Regelung schließt jedoch nicht aus, Sprache kreativ einzusetzen. Großartige rhetorische Mittel sind in wissenschaftlichen Texten zwar auch eher unüblich, jedoch können elegante Formulierungen und sachlich dosierte Synonyme deinen Text akzentuieren.

Objektivität bewahren (#2)

Wissenschaft strebt immer danach, Sachverhalte objektiv darzulegen und zu beurteilen. Zwar werden Ergebnisse und Erkenntnisse individuell bewertet, jedoch geschieht dies immer mit Bezugnahme zu Referenz-Literatur oder durch logisches Schlussfolgern.

Eine eigene Meinung ist demnach irrelevant. Je mehr Beweise du für ein Statement anführen kannst, desto besser. Sie sollten dabei auf sauberen Ergebnissen oder Literatur beruhen. Die Auswahl deiner Literatur beschränkt sich dabei im besten Fall immer auf Veröffentlichungen, die ein Peer-Review-Verfahren durchlaufen haben.

Komplexität reduzieren (#3)

Liest man wissenschaftliche Veröffentlichung auf Deutsch, wird schnell klar, dass sich viele deutschsprachige Wissenschaftler einem Paradox hingeben.

Man predigt auf der einen Seite, wissenschaftlicher Schreibstil solle (wie im Englischen) möglichst verständlich gehalten werden. Auf der anderen Seite, stopfen Autoren ihre Fachartikel und Bücher mit ‚Pseudo-Wissenschaftssprech‘ voll, der nur innerhalb der eigenen Community verstanden wird und zur Profilierung aller Beteiligten beiträgt.

Ich möchte dir dazu raten, die Komplexität soweit es möglich ist zu reduzieren und zu sehr verschachtelte Sätze zu vermeiden. Gleichzeitig kannst du durch gezielt eingesetzte Fachsprache, die so verständlich eingebettet wird, dass sie auch ein Außenstehender versteht, punkten.

Schließlich möchte ich dir bei shribe! beibringen, wie du deine Leistungen in der Uni auf ein überdurchschnittliches Level bringen kannst. Und dazu gehört es auch, sich sprachlich vom Durchschnitt deiner Mitstudenten (die im gegenwärtigen Notensystem leider mit dir in Konkurrenz stehen) abzuheben.

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Die Sache mit den Fremdwörtern

Führt man sich Tipps und Ratschläge aus den weiten des deutschsprachigen Internets zum Thema ‚Wissenschaftlicher Schreibstil‘ zu Gemüte, stößt man alsbald auf den Imperativ: Vermeide unnötige Fremdwörter!  

Diese Ansicht teile ich nur zum Teil. Denn teilweise können Fremdwörter wichtige Funktionen in einem wissenschaftlichen Text übernehmen. So zum Beispiel die Vermeidung von Wortdopplungen (So wie ich das im vorherigen Satz getan habe).

Schnelle Selbstanalyse
Im vorherigen Absatz habe ich geschrieben: „Führt man sich Tipps und Ratschläge…, stößt man alsbald auf den Imperativ…“ Hätte ich hier kein Fremdwort benutzt, hätte ich wohl oder übel noch einmal das Wort „Ratschlag“ benutzen müssen. Außerdem ist so ein eingestreutes Fremdwort doch auch ganz fancy, oder?

Meiner Ansicht nach können Fremdwörter folgendes für deinen Text tun:

  • Wortdopplungen vermeiden (Stichwort: Synonyme)
  • Die Qualität deines sprachlichen Ausdrucksvermögens anheben
  • Fachkenntnis beweisen

Die Betonung des Ratschlags: Vermeide unnötige Fremdwörter! liegt demnach eindeutig auf unnötig. Denn auf keinen Fall solltest du gänzlich auf Fremdwörter verzichten, sondern sie mit Bedacht einsetzen. Ein Text, der vor unverständlichen Ausdrücken überquillt, ist natürlich ungenießbar.

Fremdwörter befeuern deine Note
Liest ein Dozent deine wissenschaftliche Arbeit und stößt auf eine Anzahl gut dosierter und fachspezifischer Termini, dann steigt automatisch die wahrgenommene Qualität deiner Arbeit. Glaub mir. (Ich höre dann jetzt auch auf mit dem geschwollenen Fremdwörter-Feuerwerk) 

Unangebrachte oder im Übermaß verwendete Fremdwörter sind also zu vermeiden. Raffinierte Fachsprache ist jedoch für eine herausragende wissenschaftliche Arbeit unbedingt vonnöten.

Wissenschaftlicher Schreibstil

Wie kannst du deinen Sprachstil noch auf ein wissenschaftliches Niveau bringen? Mit viel Übung und einem System: Deinem digitalen wissenschaftlichen Wortschatz. 

Dein eigener wissenschaftlicher Wortschatz

Schreiben kann man lernen. Hier zeige ich dir wie das geht. Ein kultivierter Schreibstil erfordert viel Zeit und Übung. Doch es gibt ein paar Abkürzungen und Hilfsmittel, denen man sich bedienen kann, um sich auf der Stelle einen besseren wissenschaftlichen Schreibstil anzueignen.

Dass du diesen Artikel gelesen hast, war schon mal ein guter Anfang. Jetzt habe ich noch eine weitere Anregung für dich. Ähnlich wie beim Vokabeln lernen, legst du dir einen eigenen wissenschaftlichen Wortschatz an.

Du nutzt hoffentlich bereits ein zentrales System für deine Notizen (z.B. Evernote; siehe shribe! Werkzeugkiste). Dies wäre der perfekte Ort für deinen Wortschatz. Du kannst ihn auch in einem physischen Notizbuch anlegen, doch das hast du wahrscheinlich nicht immer zur Hand und außerdem kannst du es verlieren.

In deinen Wortschatz kopierst du alle Fachbegriffe deiner Disziplin, sowie fabelhaft anmutende Wortakrobatik, die du in den Texten die du liest gefunden hast. Mit dem Schreiben ist es genauso wie mit der Wiedergabe von Wissen:

Nur wenn etwas hineinkommt, kann auch etwas wieder herauskommen.

Du kennst das sicherlich: Du hast ein Fremdwort gelesen, es nachgeschlagen und bist weiter deines Weges gegangen. Ein paar Wochen später stößt du wieder auf dieses Wort, aber die Bedeutung ist dir schon wieder entwischt!

Mir geht so mit ein paar Begriffen aus der Psychologie (z.B. „Salienz“). Ich habe sie schon 500-Mal gelesen und muss jedes Mal aufs Neue die Bedeutung nachschauen. Das gleiche gilt für sprachliche Ausdrücke. Man vergisst sie einfach wieder.

Trägst du solche kritischen Wörter oder Ausdrücke regelmäßig in dein Wortschatz-Dokument ein, hast du beim Schreiben deiner wissenschaftlichen Arbeit leichtes Spiel.

Ein Text ist wie ein Puzzle. Du musst lediglich die passenden Teile zusammensetzen. 

Warum machst du es dir also nicht einfach, und legst dir eine Kiste mit besonders geschmeidigen Teilen an?

Wissenschaftlicher Schreibstil in 9 Beispielen veranschaulicht

Um dem Geschwafel endlich Fleisch auf die Rippen zu verpassen, habe ich dir ein paar exemplarische Ausdrücke zusammengestellt, von denen ich mit Fug und Recht behaupten kann, dass sie das Prädikat ‚exzellenter wissenschaftlicher Schreibstil‘ verdienen.

Nimm die folgenden Ausdrücke also in dein Wortschatz-Dokument mit auf und baue sie unmittelbar in deine wissenschaftliche Arbeit mit ein. Feel free to be a copy cat! 🙂

Formulierungshilfen für deinen wissenschaftlichen Wortschatz

1. In der gegenwärtigen Literatur zu DEIN THEMA lassen sich Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen FAKTOR A und FAKTOR B finden (QUELLE 1, QUELLE 2, QUELLE 3).

2. Darüber hinaus lässt sich eine Steigerung der ERGEBNIS A konstatieren, sobald VARIABLE X positiv auf VARIABLE Y einwirkt.

3. Unter Berücksichtigung ebenjener Lücke in der Fachliteratur zu THEMA P, verfolgt die vorliegende Arbeit folgende Forschungsfrage(n): F-FRAGE

4. Beobachtbar ist nicht nur eine explizite Wechselbeziehung zwischen FAKTOR A und FAKTOR B, sondern zudem eine implizite Einstellung von AKTEUR C gegenüber GEGENSTAND D.

5. Die THEORIE E wurde erstmals 1982 von AUTOR F postuliert. AUTOR F prägte in diesem Zuge die BEGRIFFLICHKEIT E, indem er sie folgendermaßen definierte: „DEFINITION Z“ (QUELLE).

6. Die Ergebnisse der METHODE G sind untenstehend in tabellarischer Form ersichtlich (Abbildung X). Dabei weist UNTERSUCHUNGSGEGENSTAND H eine erhöhte MESSGRÖßE I im Vergleich zu UNTERSUCHUNGSGEGENSTAND J auf.

7. Im Hinblick auf die Ergebnisse von STUDIE L (QUELLE) reihen sich die Ergebnisse dieser Arbeit als unterstützendes Element in die Fachliteratur zu THEMA K ein, da sie…

8. Die Konklusion der vorliegenden Arbeit verdeutlicht, dass die Revision des Forschungsstands zu THEMA M enormes Potenzial für zukünftige Forschungsvorhaben aufdecken konnte. Beispielsweise…

9. Entgegen der bisherigen Annahme, THEMA N sei primär von FAKTOR O beeinflusst (QUELLE), konnte AUTOR Q (JAHR) in ihrer STUDIE R darlegen, dass…


So, das waren meine Tipps für einen akkuraten wissenschaftlichen Schreibstil. Wenn du noch mehr Formulierungshilfen haben möchtest, dann habe noch ein PDF für dich, das du dir gratis herunterladen kannst.

Die 30 besten Formulierungen für eine aufsehenerregende Einleitung

Zusammenfassung

  • Wissenschaftlicher Schreibstil unterscheidet sich je nach Sprachraum
  • Vermeide eine informelle Ausdrucksweise
  • Bewahre immer die Objektivität
  • Stelle komplexe Sachverhalte vereinfacht, jedoch ansprechend dar
  • Lege dir deinen eigenen wissenschaftlichen Wortschatz an

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