Wissenschaftlich Schreiben

Theoretischer Hintergrund | Der goldene Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit (3 Schritte) 🖼

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Deiner wissenschaftlichen Arbeit fehlt noch ein theoretischer Hintergrund? Aber du bist dir unsicher, wie du die Sache mit dem theoretischen Rahmen strukturiert angehen sollst?

Dann solltest du jetzt Ohren und Bleistifte gleichermaßen spitzen.

Denn in diesem Blog-Artikel bekommst du in 3 verständlichen Schritten die Komplett-Anleitung zum Verfassen eines theoretischen Hintergrunds (Auch theoretischer Rahmen genannt).

So kannst du deiner wissenschaftlichen Arbeit das nötige Fundament verpassen, das sie für eine herausragende Note benötigt.

 

Was ist ein theoretischer Hintergrund?

Ein theoretischer Hintergrund ergänzt den Literaturteil einer wissenschaftlichen Arbeit um ein weiteres Kapitel. Hier wird der Fokus auf eine bestimmte Theorie, ein Modell oder anderes gedankliches Konstrukt gelegt. Diese kann später als Grundlage für die theoretische Einordnung der Ergebnisse dienen.

Ein theoretischer Hintergrund ist nicht obligatorisch.

Manche Forschungsdisziplinen und -felder kommen gänzlich ohne Theorieteil aus. Allerdings kommt es dabei auch immer auf die Art der wissenschaftlichen Arbeit an. Systematische Literatur-Reviews, zum Beispiel, möchten neue Forschungsrichtungen aufdecken. Daher brauchen sie kein theoretisches Fundament.

In Sozial- und Geisteswissenschaften, aber auch stark empirisch getriebenen Fächern wie z.B. Psychologie steht Theoriearbeit jedoch oft an der Tagesordnung.

Was ist eine Theorie?
Im Allgemeinen spiegelt eine Theorie ein Bild der Realität wieder. In der Regel bezieht sie sich dabei auf einen kleinen Ausschnitt der Wirklichkeit. Eine Theorie basiert oft auf beschreibenden (deskriptiven) und erklärenden (kausalen) Aussagen. Im besten Fall können mithilfe einer Theorie Vorhersagen getroffen werden.

Eine Fallstudie oder auch ein Experiment möchte anhand eines konkreten Anwendungsfalls das bestehende theoretische Wissen erweitern. Das kann funktionieren, wenn die Ergebnisse mit einer bestehenden Theorie in Verbindung gebracht werden.

Das Ziel eine theoretischen Hintergrunds ist es, die Theorie zu erklären. Und deren wichtigste Bestandteile im Kontext der wissenschaftlichen Arbeit aufzuzeigen. 

Der theoretische Hintergrund ist deskriptiver Natur. 

Genau wie bei der Aufarbeitung des aktuellen Forschungsstands wird hier existierende Literatur (zu dieser spezifischen Theorie) wiedergegeben.

Nichtsdestotrotz sollte der theoretische Hintergrund in das übergreifende Argument deiner wissenschaftlichen Arbeit eingebettet sein.

Im späteren Verlauf der Arbeit, beispielsweise in einem Diskussionskapitel, wird nun ein Rückbezug zu dieser Theorie hergestellt. Das kann aufgrund folgender Motive geschehen:

  • Eine Erweiterung der Theorie
  • Das Übertragen der Theorie auf einen neuen Kontext
  • Das Aufstellen einer besseren Theorie
  • Dem Widerlegen einer Theorie

Die ersten beiden Ziele sind ein realistisches Ziel. Wohingegen wir die letzten beiden Punkte lieber den nächsten Einsteins und Hawkings dieser Welt überlassen sollten. Eine Theorie zu entwickeln ist kein Kinderspiel.

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Der Unterschied zwischen „Literatur-Review“ und „Theoretischer Hintergrund“

Ich werde oft gefragt, worin denn nun der Unterschied zwischen einem Literatur-Review und einem theoretischen Hintergrund ist.

Das Literatur-Review gibt den aktuellen Forschungsstand wieder. Es soll also einen möglichst umfangreichen und kompletten Überblick über Literatur geben, die zum Thema der wissenschaftlichen Arbeit veröffentlicht wurde.

Um die Entwicklung eines Themenfeldes in der Wissenschaft nachzuerzählen, können hier auch einige ältere Quellen zu Rate gezogen werden. Das Hauptaugenmerk sollte jedoch auf der Auseinandersetzung mit möglichst aktueller Literatur liegen.

Diese verwandten Arbeiten kreisen um das Thema der wissenschaftlichen Arbeit. Denn schließlich soll sie der vorhandenen Literatur einen fehlenden Baustein hinzufügen. Wie du ein Literatur Review schreiben kannst, habe ich in einem eigenen Artikel behandelt.


Ein theoretischer Hintergrund dreht sich nicht um ein bestimmtes Thema oder einen Anwendungsfall. Sondern, wie der Name schon sagt, um die Theorie.

Sie wird abstrakt und zunächst ohne Bezug zum eigentlichen Thema deiner Arbeit erklärt. Den Bezug stellst du dann Schritt für Schritt argumentativ her.

Ein Beispiel: 

Das Technologie-Akzeptanz-Modell (TAM) nach Davis beschreibt verschiedene Einflussfaktoren, welche die Akzeptanz einer neuen Technologie begünstigen oder erschweren. Die Theorie wurde bereits 1989 entwickelt, also lange vor dem Smartphone oder sogar dem Internet.

Trotzdem konnte die Theorie dabei helfen, diese neuen technologischen Phänomene zu erforschen. Geht man davon aus, dass die Theorie noch immer Gültigkeit besitzt, dann würde sie auch heute noch helfen. Beispielsweise in einer wissenschaftlichen Arbeit zum Thema Selbstfahrende Autos.

Ein theoretischer Hintergrund würde das TAM Modell eingehend erklären und dann den Bogen zum Thema „Selbstfahrende Autos“ schlagen.

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Aufbau und Position des theoretischen Hintergrunds

Der theoretische Hintergrund deiner wissenschaftlichen Arbeit sollte folgender Struktur folgen:

  • Ursprung der Theorie (mitsamt Autoren)
  • Definition bzw. Grundkonzept
  • Der Kontext, in welchem die Theorie entwickelt wurde
  • Abbildung oder ggf. Modell
  • Spezifische Gesichtspunkte, die hilfreich für deine wissenschaftliche Arbeit sind
  • Argumentative Überleitung zu deiner Methodik/dem nächsten Kapitel

Der theoretische Hintergrund sollte nach dem „Aktuellen Forschungsstand“ (bzw. Literatur-Review) platziert sein. Also auch vor der Beschreibung der Methode, falls deine Arbeit empirischer Natur ist.

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Theoretischen Hintergrund schreiben in 3 Schritten

Okay, die Basis hätten wir damit gelegt. Jetzt bleibt nur noch die Frage zu klären, wie du überhaupt an die Stelle kommst, einen theoretischen Hintergrund aus dem Ärmel zu schütteln.

Dazu möchte ich dir 3 Schritte nahelegen, die dir beim Aufstellen des theoretischen Rahmens helfen können.

Theorie-Casting während der Literatur-Recherche #1

Hier befinden wir uns ganz zu Beginn deiner Arbeit. Du hast noch keinen Text produziert, sondern versuchst dir einen Überblick der Literatur zu verschaffen.

Mache dir im System, dass du für die Sammlung der Literatur nutzt (Word-Dateien, Evernote-Notizen, Citavi-Bibliothek etc.) einen Eintrag für die „Theorie“.

Dort sammelst du alle Theorien, die dir bei der Literaturdurchsicht zu deinem Thema über den Weg laufen.

  • Kommen bestimmte Theorien immer wieder vor?
  • Welche dieser Theorien klingen überhaupt interessant?
  • Kann dir eine dieser Theorien bei der Durchdringung deines Themas helfen?

Mit der fertigen Liste an Theorien führst du nun ein Casting durch, indem du die eben genannten Fragen durchspielst. Reduziere deine Liste auf 3 Theorien.

Lies dich grob in die Theorien ein (Wikipedia ist dafür gar nicht schlecht). Schnell wirst du feststellen, ob eine Theorie passt oder nicht.

Oft entstehen originelle wissenschaftliche Arbeiten, wenn du über den Tellerrand hinausschaust. Existiert eine Theorie in einem völlig fremden Fach, die meinem Thema jedoch einen Mehrwert bringen könnte? Warum nicht mal eine sozialpsychologische Theorie auf ein grundlegendes Problem der Informatik anwenden?

Lege dich fest: Ganz oder gar nicht

Jetzt liegt es an dir. Nur du kannst entscheiden, welche Theorie die richtige für dich ist. Wenn du dir absolut unsicher bist, dann nimm deine 3 Casting-Kandidaten mit in die Sprechstunde mit der betreuenden Person.

Hole dir Input und entscheide dann. 

Wichtig bei jeder Entscheidung: Ganz oder gar nicht.

Lässt du dich auf eine Theorie ein, dann gibt es kein zurück und auch kein halb-halb. Ein theoretischer Hintergrund der sich ein bisschen hier und ein bisschen dort bedient, hat seinen Namen nicht verdient.

Selbstverständlich gibt es auch wissenschaftliche Arbeiten, die sich mehrerer Konzepte bedienen. Für eine studentische Arbeit empfehle ich dir jedoch, dich auf eine Theorie zu fokussieren.

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Theorie erweitern, widerlegen oder neu aufstellen?

Du hast deine Theorie ausgewählt, erklärt und dein theoretischer Hintergrund ist auch schon skizziert. Wo soll nun die Reise hingehen?

Überlege dir, wie die Theorie dem Argument deiner Arbeit eigentlich helfen kann. Eine Theorie in eine wissenschaftliche Arbeit einzuarbeiten, nur um eine Theorie mit drin zu haben – das bringt dich auch nicht weiter.

Um diesen Schritt erfolgreich zu gestalten, hilft besonders eine Sache. Setze dich so intensiv wie möglich mit der Theorie auseinander. Lesen, lesen, lesen. Und zwischendurch ein YouTube-Video zu dieser Theorie schauen.

Je mehr du ein Experte oder eine Expertin in dieser Theorie wirst, desto besser wird deine wissenschaftliche Arbeit. Theoretisch.


Wenn du jetzt noch ein wenig Starthilfe für deine wissenschaftliche Arbeit benötigst, dann habe noch ein PDF für dich, das du dir gratis herunterladen kannst.

Die 30 besten Formulierungen für eine aufsehenerregende Einleitung

Zusammenfassung

So gelangst du in 3 Schritten zu einem fundierten theoretischen Hintergrund:

  • Mache ein Theorie-Casting mit den Top 3 Theorien, die du deiner Literatur-Recherche entnommen hast
  • Lege dich auf eine Theorie fest und werde darin ein absoluter Experte
  • Überlege dir schon vorher, wobei dir die Theorie helfen kann (z.B. Diskussion)

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