Wissenschaftlich Schreiben

7 fatale Fehler beim Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten

Fehler wissenschaftliches Arbeiten

Wenn du dir beim Schreiben deiner wissenschaftlichen Arbeit auf keinen Fall schwerwiegende Fehler erlauben willst, dann ist dieser Blogeintrag genau das Richtige für dich.

Stell dir vor du schreibst wochen- oder sogar monatelang an deiner Wissenschaftlichen Arbeit. Du gibst dir alle Mühe und schiebst Nachtschichten, um ein gutes Ergebnis abzuliefern. Und am Tag der Notenvergabe folgt das böse Erwachen:

Deine Note entspricht nicht deinen Erwartungen, weil du einfach nicht wusstest, dass du diesen einen Fehler nicht hättest machen dürfen. Du wusstest es einfach nicht. Woher auch?

Das kann dir von nun an nicht mehr passieren. Denn in diesem Artikel zeige ich dir 7 fatale Fehler, die du beim Schreiben deiner wissenschaftlichen Arbeit unbedingt vermeiden solltest. So entgehst du nicht nur einer schlechten Note, sondern kommst einer herausragenden wissenschaftlichen Arbeit ein ganzes Stück näher.

Es gibt keine Geheimnisse. Es gibt nur Informationen, die du noch nicht kennst.

Aber das ändern wir jetzt.

Lücken im Forschungsdesign #1

Viele wissenschaftliche Arbeiten, die ich lese sind unglaublich umfangreich, benutzen viel Literatur und sind sprachlich auch wirklich top. Aber reicht das für eine herausragende Note? Nein.

Einer der größten Fehler beim Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten ist ein unzureichendes Forschungsdesign. Aber was ist das überhaupt? Hierbei handelt es sich um die Struktur deiner Arbeit. Damit ist nicht die Gliederung gemeint oder die Bezeichnung der Kapitel (wobei diese teilweise daran angelehnt sein kann). Gemeint ist der logische Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit.

Schreibst du einfach drauf los und erzählst eine Story – dann mag das interessant sein, aber Wissenschaft geht anders.

  1. An erster Stelle deiner Arbeit steht ein Kontext.
  2. Innerhalb dieses Kontexts besteht ein Problem.
  3. Warum ist dieses Problem überhaupt relevant?
  4. Für wen ist es wichtig, sich damit auseinanderzusetzen?
  5. Wie gehst du das Problem methodisch an?
  6. Welchen Mehrwert generierst du aus diesem Vorgehen?

DAS ist ein Forschungsdesign.

Aber wie setzt du das nun um?

In deiner Einleitung berichtest du die oben genannte 6 Punkte.

Textbeispiel
„Soziale Medien haben in der vergangenen Dekade eine enorme Anziehungskraft als beliebte Online-Treffpunkte für Menschen verschiedenster Altersgruppen und gesellschaftlicher Milieus ausgeübt (Quelle). Sie nutzen diese Plattformen, um sich mit Freunden, Arbeitskollegen, Firmen und Institutionen auszutauschen, Informationen zu generieren und sich selbst auszudrücken (Quelle). [HIER NOCH MEHR KONTEXT] Ein Phänomen mit steigender Relevanz stellt die Verbreitung sogenannter Hate-Speech-Kommentare innerhalb Sozialer Medien dar (Quelle). [HIER DEFINITION HATESPEECH] Besonders im politischen Kontext stellt ein vermehrtes Aufkommen von Hasskommentaren ein Problem dar, weil [HIER ARGUMENTATION]. In der vorliegenden Arbeit sollen Haltespeech-Kommentare auf den Facebook-Seiten der Bundestagsparteien CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP, Die Linke und AfD analysiert und unter Berücksichtigung [HIER FORSCHUNGSZIEL] untersucht werden. Dazu soll die Methodik einer qualitativen Inhaltsanalyse von 347 Facebook-Kommentaren, die im Rahmen der Bundestagswahl vom [ZEITRAUM] verfasst wurden, angewandt werden. Die Ergebnisse dieser Arbeit in Form einer inhaltlichen Klassifizierung geben Aufschluss über die Absender und verschiedene Typen von Haltespeech-Kommentaren im Kontext politischer Kommunikation. Im Zuge dessen sollen Handlungsempfehlungen für Parteien in Bezug auf deren Kommunikationsstrategie abgeleitet werden.“

Um hier nicht eine gesamte Arbeit schreiben zu müssen, habe ich zusätzliche Regie-Anweisungen in Klammern gesetzt.

Im weiteren Verlauf deiner wissenschaftlichen Arbeit solltest zu Beginn jedes Kapitels berichten, an welcher Stelle deiner Argumentation du dich befindest bzw. welches Design-Element du gerade skizzierst. Ein großer Teil eines Forschungsdesigns ist die Methodik. Das gilt besonders für empirische Arbeiten. Hier benötigst du ein eigenes Kapitel, worin du das methodische Vorgehen erklärst und wie es in das gesamte Forschungsdesign eingebettet ist.

„Die nachfolgende Aufarbeitung des aktuellen Forschungsstands basierend auf grundlegender und aktueller Literatur zum Thema Hatespeech und politische Kommunikation soll als Grundlage dafür dienen, Kategorien für die qualitative Inhaltsanalyse abzuleiten.“

Das Stichwort für all diese Textbausteine ist dieses hier: JUSTIFICATION.

Warum ist jeder einzelne deiner Schritte wichtig und welchen Zweck erfüllt er auf dem Weg zum Ziel, also der Beantwortung deiner Forschungsfrage(n).

Fehlende Eigenleistung #2

Fataler Fehler Nummer Zwei geschieht, wenn deine wissenschaftliche Arbeit nicht genügend Eigenleistung beinhaltet. Dieses Problem tritt besonders bei Arbeiten auf, die rein literaturbasiert aufgebaut sind. In einer empirischen Arbeit, sind die Ergebnisse der Datenanalyse, Umfragen, Interviews, Berechnungen, Experimente und deren Diskussion die Eigenleistung.

Aber wie sieht es mit einer wissenschaftlichen Arbeit aus, in der lediglich ein Literatur-Review durchgeführt werden soll?

Literaturarbeit gilt streng genommen nicht als Eigenleistung. Sie hat einen deskriptiven Charakter, weil du bereits bestehendes Wissen aufarbeitest und in einen logischen Zusammenhang bringst. Um darauf aufbauend eine solide Eigenleistung zu erbringen, bedarf es eines weiteren Schrittes, den viele vergessen.

Die Erkenntnisse der Literaturarbeit müssen reflektiert werden. Du kannst es auch interpretieren oder diskutieren nennen (Hier mein Artikel zum Diskussion schreiben). Wichtig ist, dass du auf Basis der Literatur ein eigenes Argument entwickelst, das einen Mehrwert bietet.

Testbeispiel:

„Auf Basis der zuvor dargelegten Literaturanalyse ergeben sich drei Forschungsstränge, die in der bisherigen Literatur noch nicht ausreichend behandelt wurden, jedoch von großer Wichtigkeit für zukünftige Forschung zeugen: 

(1) Milieu-spezifische Unterschiede von Hatespeech-Kommentar-Autoren [AUSFÜHRLICH DISKUTIEREN]

(2) Platform-spezifische Unterschiede von Hatespeech-Kommentaren in politischer Kommunikation [AUSFÜHRLICH DISKUTIEREN]

(3) Automatisierte Hatespeech-Verbreitung auf Sozialen Medien durch Fake-Accounts und „Social-Bots“ [AUSFÜHRLICH DISKUTIEREN]“

Ich hoffe das Beispiel kannst du irgendwie für dich nutzen. Und wenn du nur eine Sache mitnimmst, dann diese hier: Verpasse deiner Eigenleistung/Diskussion eine gedankliche Struktur. Nicht einfach drauflos schreiben.

Zu wenig Literatur #3

Der nächste Fehler in der Reihe ist das Ausbleiben von genügend Quellennachweisen. Ich sehe gaaaanz oft Arbeiten, in denen (im Literaturteil oder der Einleitung) ein Absatz Text geschrieben wird und dieser dann entweder gar nicht oder nur am Ende mit einer Quelle belegt wird. So wird das nichts mit einer herausragenden Note.

Dein/e Betreuer/in wird bei der Benotung auf folgende 3 Punkte achten:

  1. Vollständigkeit: Werden die wichtigsten Autoren genannt?
  2. Tiefe: Wurde sich wirklich im Detail mit der Literatur beschäftigt?
  3. Relevanz: Sind die angeführten Quellen aus etablierten Outlets (Bücher, Zeitschriften, Konferenzen) der Forschungsdisziplin?

Kann man eigentlich auch zu viel Literatur verwenden? Ja, natürlich. Deshalb gibt es beispielsweise auch ein Seiten-Limit, welches das Literaturverzeichnis miteinschließt.

Faustregel: 15 Seiten = 30 wissenschaftliche (!) Quellen, 30 Seiten = 60 wissenschaftliche Quellen, usw.

Textbeispiel:

„Das Phänomen Hatespeech wird von (Quelle) als [DEFINITION] definiert. In der Literatur der [FORSCHUNGSDISZIPIN] wird in Bezug zu Hatespeech vor allem zwischen [UNTERTHEMA 1] (Quelle), [UNTERTHEMA 2] (Quelle) und [UNTERTHEMA 3](Quelle) unterschieden. (Quelle) untersuchten in ihrer Studie über…“

Unklare Eingrenzung des Themas #4

Wissenschaftliche Arbeiten haben immer ein Thema. Aber selbst wenn das Thema ein vermeintliches Nischenthema ist, ließen sich noch immer hunderte von Seiten darüber schreiben. Schau dir mal ein paar Doktorarbeiten (liegen in jeder Bibliothek aus) an. Da forschen verrückte Wissenschaftler (wie ich) jahrelang über ein winzig kleines Randthema in einem Randthema und lassen sich dann auf 400 Seiten darüber aus.

Immer wieder machen Studierende den Fehler, ihre wissenschaftliche Arbeit ohne thematischen Fokus zu schreiben.

Für deine eigene wissenschaftliche Arbeit gilt folgender Leitsatz:

Du kannst dein Thema nicht weit genug eingrenzen. 

Wenn du glaubst, du hast dein Thema bereits eingegrenzt, dann grenze es noch weiter ein. Und dann nochmal. Am Anfang wirst du dich fragen, wie um alles in der Welt 15 Seiten darüber entstehen sollen. Am Ende deiner Arbeit wirst du feststellen, wie um alles in der Welt 15 Seiten dafür ausreichen sollen!

Eine gut geeignete Hilfe zur Themeneingrenzung bietet die Formulierung deiner Forschungsfrage.

Unzureichende Abbildungen #5

Fehlero Numero Cinco:

Verpixelte Abbildungen!

Ist deine Abbildung aus einem Buch kopiert, aus der Google-Suche mit 200×150 Pixeln gedownloadet oder mit Wachsmalstiften gezeichnet?

6, setzen!

Abbildungen in wissenschaftlichen Arbeiten müssen gestochen scharf sein. Alles andere ist inakzeptabel. Erkennst du auch nur einen einzigen Pixel, dann baue die Abbildung selbst in Powerpoint oder Canva nach. Speichere sie am besten als PDF oder als wirklich hochauflösende Bilddatei.

Wenn du dir unsicher bist, dann mache einen Probedruck der Abbildung und überprüfe die Qualität auf Papier. Glaub mir, das Bisschen Mehraufwand ist wirklich nötig. Sei nicht die Person, die verpixelte Abbildungen in ihrer wissenschaftlichen Arbeit verwendet. Sei ein Profi.

Fehler wissenschaftliches Arbeiten

 

Unnötige Grammatik- und Rechtschreibfehler #6

Die Mutter aller Fehler: Sprachliches Ungeschick. Ein oder zwei Flüchtigkeitsfehler werden dir verziehen. Lässt du es jedoch zu, dass auf jeder deiner Seiten Rechtschreibfehler und falsche Grammatik zu finden sind, dann gut Nacht. Deine Betreuerin wird nicht mal mit der Wimper zucken und dir eine schlechte Note verpassen.

Die sprachliche Richtigkeit ist das absolute Minimum, das du erfüllen musst. 

Befolge deshalb meinen Rat und gib deine Arbeit zur Korrektur. Wenn du kein Geld dafür ausgeben möchtest, dann frage Freunde oder Familie. Vier Augen sehen mehr als zwei (Für diese Phrase komme ich garantiert in die Hölle).

Aber mal im Ernst. Ich würde behaupten, über ein gewisses Maß an sprachlichem Geschick zu verfügen. Und trotzdem mache ich Fehler. Am laufenden Band… Ich lektoriere wissenschaftliche Arbeiten und Bewerbungen für andere Leute – und finde jeden einzelnen Fehler – doch meine eigenen Texte sind dennoch nicht fehlerfrei.

Bei deinen eigenen Texten siehst du deine Fehler nicht, auch wenn du noch so gut bist. Hole dir Hilfe, dann läuft der Hase und du spazierst auf Nummer Sicher.

Plagiat #7

Der schlimmste Fehler, den du beim Schreiben deiner wissenschaftlichen Arbeit begehen kannst, ist das Plagiat. Du hast sicherlich schon mal in den Medien davon gehört, dass Politiker oder andere wichtige Personen ihren Doktortitel aus diesem Grund aberkannt bekommen.

Auch eine Hausarbeit kann schnell zum Plagiat werden, auch wenn dies gar nicht absichtlich geplant wurde. Ein Plagiatsvorwurf kann schon dann erhoben werden, wenn einzelne Textpassagen wörtlich ohne Quellenangabe aus einem anderen Werk übernommen wurden.

Wenn du dessen überführt wirst, läufst du Gefahr, durchzufallen. Dieser Fehler ist also ganz schön fatal.

Um ein Plagiat auf jeden Fall zu vermeiden, solltest du Spezialist im Paraphrasieren und richtig Zitieren werden. Solange du mit besten Absichten die gute Praxis des wissenschaftlichen Arbeitens verfolgst, dann kann nichts schiefgehen. Alles was du in der Uni und auf shribe! lernst, ist absolut Plagiat-sicher. Weitermachen.


 

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