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Warum deine Abschlussarbeit niemals eine 1,0 wird

Du gibst wirklich alles. Wochen-, ach was sag ich, monatelang liest du, schreibst, formatierst, zitierst sauber – und am Ende steht trotzdem eine 2,3 in deinem Notenbuchungssystem. Und das Schlimmste: Du verstehst nicht mal, warum.

Nachdem ich selbst dutzende Abschlussarbeiten betreut und hunderte mein Abschlussarbeitstraining durchlaufen haben, sehe ich immer wieder dieselben drei Fehler.

Nicht bei denen die einfach so bestehen wollen, sondern bei denen mit dem größten Anspruch.

Denn die Wahrheit ist, und das sagt dir kein Prof. Eine 1,0 entscheidet sich nicht durch Fleiß. Sie entscheidet sich durch drei Dinge, die fast jeder falsch macht, ohne es zu merken. Und wenn du diese Fehler auf dem Schirm hast, ist der Sprung von der 2 auf die 1 kleiner, als du denkst.

In diesem Artikel zeige ich dir alle drei.

Fehler #1 Du sitzt nicht in einem 1,0 Boot

Warren Buffet hat mal die berühmte Analogie verwendet, die besagt, dass es viel wichtiger ist, in welchem Boot du sitzt, im Vergleich dazu wie schnell du ruderst.

Übertragen auf deine Abschlussarbeit bedeutet das, dass dein Thema und deine Forschungsfrage deine Note deckeln, bevor du überhaupt angefangen hast zu schreiben.

Eine schwache oder zu breite Forschungsfrage und ein Thema das nicht wirklich originell ist, wird bei Prüfern keine Begeisterungsstürme auslösen, egal wie sauber die anschließende Literatur und/oder Datenanalyse durchgeführt wurde.

Ein Boot, das dich selbst mit mittelmäßigem Aufwand zu einer 1,0 treiben kann, braucht ein Thema bzw. Forschungsfrage mit einer Spannung oder einem Konflikt. Eine fest etablierte Annahme, die über den Haufen geworfen wird, ein Thema das die Prüfer aus dieser Perspektive so noch nie betrachtet haben, oder ein Thema das so neu und unbeschrieben ist, dass die Prüfer deine Arbeit verschlingen, weil sie das Thema gerne selber besser verstehen wollen.

Hier sind mal 2 Beispiele aus meiner eigenen Forschung, bei denen ich versuche dem jeweiligen Thema einen neuen Spin zu geben:

Corporate Nomads – das sind Digitale Nomaden, die für eine Firma arbeiten und es schaffen in Festanstellung zeit- und ortsunabhängig zu werden – obwohl der Rest der Firma das nicht ist. Bisherige Forschung hatte Digitale Nomaden so definiert, dass sie eben auch unabhängig von organisationaler Mitgliedschaft leben und arbeiten. Mit meiner Studie erkläre ich wie Corporate Nomads das Paradox aufrechterhalten zwei unterschiedliche Weltanschauungen unter einen Hut zu bringen, die des Digitalen Nomadentums und die der Corporate Welt.

Technologien zum Work-Life Blending – diese Idee fordert die Annahme heraus, dass Technologien und Theorien die Technologienutzung erklären die Domäne der Arbeit und des Privatlebens trennen. Die „alte Welt“ sieht so aus: SAP und LinkedIn sind für die Arbeit, Facebook und Netflix sind für die Freizeit. Die neue Welt sieht so aus: In Notion leben deine Notizen des letzten Teammeetings, dein Trainingsplan fürs Gym und deine Finanzplanung für das nächste Quartal. In ChatGPT liegen Entwürfe für ein Bewerbungsanschreiben, ein YouTube Video-Skript und ein Liebesbrief. Die Technologien vermischen also die Trennlinie zwischen Arbeit und Leben – wenn also diese Domänen unser Leben nicht mehr strukturieren, was dann?

Siehst du die Muster in diesen Beispielen? Das Spannungsfeld das sie aufmachen? Genau diese „Interessantheit“ unterscheidet ein 2,3 Thema von einem 1,0 Thema.

Jetzt sagst du, ja ich studiere aber ein Fach, in dem es nicht um neue und spannende Technologien geht und mein Thema wird mir sogar vorgegeben. Keine Panik. Wie du dein Thema systematisch interessanter machst, egal womit du startest, erkläre ich dir in Ruhe in meinem kostenlosen Abschlussarbeits Crash Kurs.

Fehler #2 — Du gibst wieder, statt zu denken.

Der Satz der wahrscheinlich am häufigsten in Gutachten von guten, aber nicht sehr guten Abschlussarbeiten auftaucht ist dieser hier: „Die Ergebnisse wurden gut strukturiert dargestellt, verweilen jedoch auf einer deskriptiven Ebene. Eine stärkere analytische Eigenleistung ist nur in Ansätzen erkennbar.“

Was Prüfer sehen wollen, ist dass du über eine Beschreibung hinausgehst und analytisch denkst. Das betrifft sowohl die Literaturarbeit als auch die empirischen Datenanalyse, je nach dem was davon in deiner Abschlussarbeit vorkommt.

Was bedeutet das?

Ein deskriptives Literaturkapitel liest sich wie ein Wikipedia-Eintrag. Stelle dir selbst die Frage: Könnte ich dieses Kapitel 1:1 so ausschneiden und in eine andere Arbeit einfügen?

Besonders stark davon betroffen sind Kapitel, die eine Theorie beschreiben. „Die Selbstbestimmungstheorie (SDT) nach Edward L. Deci und Richard M. Ryan ist eine der einflussreichsten psychologischen Theorien zur menschlichen Motivation. Sie besagt, dass intrinsische Motivation und persönliches Wachstum auf drei angeborenen psychologischen Grundbedürfnissen basieren: Autonomie, Kompetenz und soziale Eingebundenheit.“ Wenn so deine Literaturkapitel aussehen, hast du verloren. Das ist reine Deskription, kann dein Prüfer in tausenden anderer Quellen nachlesen oder ein beliebiges KI Tool fragen. Das ist keine analytische Herangehensweise.

Versuchen wir das mal anders:

Im klassischen SDT-Framework wird Autonomie als das organismische Bedürfnis verstanden, der Initiator und Regulator des eigenen Handelns zu sein (Quelle). Die Anwendung dieses Modells auf „Corporate Nomads“ – hochmobile Angestellte, die mithilfe digitaler Technologien ortsunabhängig für Unternehmen arbeiten – deckt jedoch strukturelle Schwachstellen in dieser Definition auf. Während Corporate Nomads oberflächlich als das Extrembeispiel für verhaltensbezogene Selbstbestimmung erscheinen, offenbart eine kritische Analyse ihrer Lebensrealität ein Paradox: Ihre strukturelle Autonomie fungiert oft als Katalysator für verstärkte psychologische Kontrolle und Selbstausbeutung.

Corporate Nomads entkoppeln ihre Arbeit bewusst von festen Bürostrukturen, um ihre Umgebung an persönliche Präferenzen anzupassen. Die kritische Organisationsforschung zeigt jedoch, dass diese Freiheit selten emanzipatorisch wirkt (Quelle, Quelle). Stattdessen tauschen Angestellte die sichtbare, bürokratische Kontrolle des Büros gegen ein unsichtbares, digitales Panoptikum ein. Um den Status der Ortsunabhängigkeit zu sichern, stehen diese Arbeitskräfte unter enormem Druck zur ständigen Erreichbarkeit und asynchronen Kommunikation. Die „freie Wahl“, von einem Café in Lissabon oder dem Strand auf Bali aus zu arbeiten, wird permanent durch algorithmisches Management, digitale Leistungskennzahlen (KPIs) und den Zwang zur digitalen Sichtbarkeit mediiert (Quelle, Quelle, Quelle). Was die SDT als autonome Entscheidung klassifiziert, entpuppt sich somit als fortlaufendes Arrangement mit subtilen Überwachungsmechanismen.

In diesem Beispiel sind Theorie und Thema (das Phänomen „Corporate Nomads“) eng argumentative miteinander verstrickt. Wenn ich auch mal erklären soll wie du deine Ergebnisse von zu viel Deskription zu origineller Analyse bekommst, dann schreibe mir gerne einen Kommentar ob dich das interessieren würde.

#3 Du schreibst was du denkst – nicht was der Prüfer bewertet

Dieser Fehler ist der vielleicht schwerwiegendste, aber gleichzeitig auch am leichtesten zu beheben. Meine eigenen Abschlussarbeiten habe ich ins Blaue hinein geschrieben. Ich wusste ungefähr wie die Kapitelstruktur auszusehen hat, die war ja schließlich mit dem Betreuer abgesprochen. Aber darüber hinaus war es mehr Vermutung als Plan.

Als ich dann die Seiten wechselte und als wissenschaftlicher Mitarbeiter Abschlussarbeiten bewerten sollte, nicht nur die eigenen, sondern auch als Zweitgutachter, habe ich erstmal gemerkt wie so ein Gutachten wirklich abläuft.

Es gab einen fest strukturierten Erwartungshorizont, den jeder Gutachter anlegen musste und pro Kriterium Punkte vergeben konnte – wie bei einer Klausur praktisch. Das heißt also wenn 8 von 10 Kritierien weltklasse erfüllt wurden, sagen wir mal die Motivation, die Literaturrecherche, der Detailgrad in der methodischen Beschreibung usw. aber 2 von 10 daneben waren (zum Beispiel die Korrekte Formatierung und Zitierweise), dann gab es KEINE Möglichkeit für eine 1,0. Weil die Gesamtpunktzahl eben zu niedrig war.

Was heißt das für dich?

Finde heraus, was die Erwartung ist. Professoren geben diesen Erwartungsbogen, falls sie einen haben natürlich nicht heraus. Und wenn sie keinen niederschrieben haben, haben sie einen im Kopf. In jedem Fall kannst du fragen. Frage einfach immer und immer wieder nach.

In der Sprechstunde kannst du einfach nebenbei mal droppen: „Was sind denn so ihre Erwartungen für ein Literaturkapitel das wirklich alle Anforderungen einer 1,0 erfüllt?“ Oder ein paar Wochen später: „Was macht für Sie denn ein richtig gelungenes Diskussionskapitel aus?“

Dein Betreuer wird sich geschmeichelt fühlen und dir alle Karten offen auf dem Tisch ausbreiten. Und zwar nur für dich, aus dem einfachen Grund, dass alle anderen 99 angehenden Absolventen aus deinem Jahrgang schlicht und ergreifend nicht gefragt haben.

Wenn dir diese Tipps und Hilfestellungen geholfen haben und du gerne noch viel mehr davon hättest, dann würde ich mich freuen dich in meinem Abschlussarbeitstraining zu begrüßen. Dort gehe ich mit dir systematisch alle Bausteine einer Abschlussarbeit durch, und teile alle Techniken, Tricks und eine 1,0 Beispielarbeit mit dir. Dieses Wissen befördert deine Arbeit von Anfang an in ein 1,0 Boot, ohne dass du die schmerzliche Erfahrung einer Enttäuschenden Note erst selbst machen musst. Folge einfach diesem Link zum Abschlussarbeitstraining.

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