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So findest du ein Thema für deine Abschlussarbeit mit 1,0 Potenzial

Der Druck sich für ein Thema zu entscheiden steigt und steigt. Und du weißt: Diese eine Entscheidung deckelt deine Note, bevor du den ersten Satz überhaupt geschrieben hast. Ein unterwältigendes Thema – und selbst die sauberste Arbeit der Welt landet bei einer 2,3.

Ich habe Zweitgutachter schon so viele Abschlussarbeiten gesehen, bei denen ich schon nach dem Titel und der Forschungsfrage ziemlich genau sagen konnte, in welchem Notenbereich wir landen.

Aber keine Panik – ein akademisch bestechendes Thema folgt einem Muster, und dieses Muster kannst du gezielt herstellen. In diesem Video zeige ich dir wie das geht und verrate dir drei verschiedene Wege zu einem Thema mit 1,0-Potenzial.

Weg #1 — Der Annahmen-Bruch: Greife an, was alle für selbstverständlich halten

Dieser Weg zu einem Thema mit 1,0 Potenzial basiert auf dem dem Prinzip des „contrarian thinking“, also einer non-konformistischen Herangehensweise.

Die Systematik dahinter wurde am besten von den beiden Management-Forschern Mats Alvesson und Jörgen Sandberg beschrieben. Du näherst dich einem Themenbereich, in dem du eine zentrale Annahme herausarbeitest, die sich durch die bisherige Literatur zieht.

Diese Annahme problematisierst du, in dem du Argumente dafür bringst, warum diese Annahme unter neuen oder anderen Umständen nicht mehr hält. Dafür nimmst du ebenfalls Literatur zur Hand und paarst sie mit deiner eigenen Logik.

Ein Beispiel dafür stammt von einem Doktoranden an meinem Department, der mich mit seinem Thema komplett überrascht hat. Er hat die Annahme hinterfragt, dass Doomscrolling mit TikTok Videos immer zu Ablenkungen führt und damit negative Auswirkungen auf Nutzer hat.

Sein non-konformistisches Argument stützte er mit Literatur aus der Psychologie die zeigt das sogenanntes „Mindwandering“ als das zeitweise Schweifen lassen von Gedanken die Kreativität anregen kann.

In einem Experiment teilte er Studierenden in 2 Gruppen ein und gab ihnen jeweils die gleiche Wort-Puzzle Aufgabe. In einer kurzen Pause gab er einer Gruppe gar nichts, und der anderen Gruppe einen TikTok Feed. Nach der Pause performte tatsächlich die TikTok-Gruppe im Durchschnitt besser, in dem sie diverserer Wortschöpfungen zustande brachte.

Man stelle sich nur die zwar völlig vereinfachte aber verlockende Überschrift vor: „Neue Studie zeigt: TikTok Konsum führt zu mehr Kreativät.“

Natürlich diskutierte er seine Ergebnisse sehr differenziert und TikTok Konsum ist damit nicht automatisch zu empfehlen – aber das Thema erzeugt soviel Kontoverse und Spannung, dass es das Potenzial für allerhöchste Notenregionen besitzt.

Jetzt sagst du, ja ich studiere aber ein Fach, in dem mir mein Thema einfach vorgegeben wird. Keine Panik. Eine Annahme zum Angreifen steckt in jedem Thema, auch in deinem, du musst sie nur herausarbeiten. Wie das systematisch geht, egal womit du startest, erkläre ich dir in Ruhe in meinem kostenlosen Abschlussarbeits-Crash-Kurs.

Weg #2 — Der Kontext-Transfer: Bekanntes Konzept, neuer Schauplatz.

Bei diesem Ansatzt nimmst du dir ein bekanntes Konzept oder eine exisiterende Theorie und wendest sie auf einen neuen Kontext an.

Ein wahrer Meister darin ist Harvard-Forscher Julian DeFreitas. Ich wollte eigentlich eine seiner Studien für Weg #3 nachschauen, als ich ein noch viel exzellenteres Beispiel für den Kontext Transfer in seinen Publikationen fand.

Eine seiner Studien trägt den simplen Titel: „Anti Robot Speciesism“. Ok was geht hier vor sich? Der geschulte Leser erkennt, dass er hier das Konzept des Speziezmus auf einen neuen Kontext übertragen hat. Das Konzept stammt vom Australischen Philosophen und Tierrechtler Peter Singer, und beschreibt die Tendenz, das Menschen das Wohlergehen ihrer eigenen Spezies über das anderer, nicht-menschlicher Spezies stellen.

So lässt sich beispielsweise die Massentierhaltung rationalisieren.

DeFreitas wendet den Begriff nun auf humanoide Roboter an und testet in Experimenten ob Menschen gegenüber Robotern ebenfalls speziezistische Tendenzen zeigen. Kurze Antwort: Ja, allerdings sind die Ergebnisse hier schon fast egal. Denn die Chuzpe dieses ohnehin schon spannende Konzept auf den Kontext humanoider Roboter, die im großen Stil von Neu-Billionär Elon Musk und Konsorten nimmermüde angekündigt werden, anzuwenden, ist an und für sich bereits so gut, dass dem Thema jegliche Aufmerksamtkeit gewiss ist.

Das gute an diesem Weg ist, dass du kein Genie sein musst, das eine völlig neue Theorie aufstellt. Der Transfer ist die Abkürzung zur Originalität: Du kombinierst einfach zwei Dinge neu, die es schon gibt. So gehst du vor:

  1. Schreib dir links auf ein Blatt eine Handvoll Theorien oder Konzepte auf, die du aus deinem Studium sowieso schon kennst. Die müssen nicht spektakulär sein – je etablierter, desto besser.
  2. Schreib dir rechts drei, vier Phänomene auf, die dir in letzter Zeit ständig begegnen, vielleicht in den Tiefen des Reddit Rabbithole – in der Forschung aber noch kaum auftauchen und die dich interessieren.
  3. Jetzt ziehst du Linien. Jede Kreuzung ist ein Kandidat. Und bei jeder fragst du dich: Wurde dieses Konzept mit genau dieser Zielgruppe, in genau diesem Kontext, schon untersucht? Wenn nicht – da ist deine Möglichkeit für dich.

Als Starthilfe kannst du ein KI-Tool deiner Wahl für diese Brainstorming Aufgabe prompten. Sobald eine Kreuzung bei dir etwas auslöst, gehst du in die Fachliteratur und prüfst, ob es sich hier wirklich um eine originelle Idee handelt.

Weg #3 — Die frische Front: Besetze ein Phänomen, bevor es zum Mainstream wird.

Kommen wir nun zum eigentlichen Thema, warum ich in Julian DeFreitas‘ Google Scholar Profil gestöbert hatte. Denn womit er in den letzten zwei Jahren die größte Aufmerksamkeit bekam war seine Forschung zu AI Companions, also auf Deutsch gesagt romantischen KI-Partnern. Zusammen mit seinem Team, veröffentlichte er relativ früh den Artikel „AI companions reduce loneliness“ und füllte damit die globale wissenschaftliche Berichterstattung.

Damals hatten Character AI, Replika und Co. zwar schon Millionen von Nutzern, aber den meisten Menschen waren diese ChatGPTs auf Aphrodisiakum noch kein Begriff. In der Forschung war das Thema ebenfalls noch nicht angekommen.

Der oder die erste zu sein kann also eine prima Strategie sein, um in der Wissenschaft Ruhm und Ehre zu erlangen. Im kleinen Maßstab kann es schon reichen, dass das Phänomen für deinen Betreuer neu ist und somit auch die Ergebnisse und Erkenntisse die du produzieren kannst. Neu ist nicht immer besser, aber manchmal eben schon.

Bei deiner Themenwahl kannst du dir also die Frage stellen, wo auf der „Ausgelutschtheitskurve“ sich ein Thema befindet. Die AI Companions sind jetzt, im Jahr 2026 nicht mehr ganz neu, aber das Thema ist immer noch heiß, hier müsste man jetzt also sehr schnell sein. Andere Themen wie „Fühlen sich Wissensarbeit von ChatGPT & Co. bedroht“ sind dagegen schon so durchgekaut, dass es hier schon viel Kreativität braucht, um Aufmerksamkeit zu erregen.

Meine Beispiele sind wie immer etwas Technologie-lastig, aber es geht darin um die Systematik. Selbst in einem relativ stabilen Kontext wie Biologie oder anderen Naturwissenschaften funktionieren diese Herangehensweisen. Du bewegst dich dann nur in einem anderen Mikro-kosmos und dockst deine herausgeforderte Annahme, deinen Kontext-Transfer oder dein neues Phänomen in ganz kleinem Maßstab innerhalb eines großen und etablierten Wissens- und Theoriegebäudes an.

Wenn dir diese Tipps und Hilfestellungen geholfen haben und du gerne mit mir noch weit über die Themensuche hinausgehen möchtest, dann würde ich mich freuen dich in meinem Abschlussarbeitstraining zu begrüßen. Dort gehe ich mit dir systematisch alle Bausteine einer Abschlussarbeit durch, und teile alle Techniken, Tricks und eine 1,0 Beispielarbeit mit dir. Dieses Training hilft dir Schritt-für-Schritt das Potenzial deines Themas auch in eine 30, 50, oder 80-seitige Arbeit ummünzt.

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