Wissenschaftlich Schreiben

Hausarbeit schreiben ohne zu verzweifeln | 3 seltene Tipps

Hausarbeit schreiben ohne zu verzweifeln tipps studium

Du darfst gerade eine Hausarbeit schreiben, aber kommst nicht so richtig in Schwung? Die Motivation ist vielleicht sogar da, doch inhaltlich trittst du auf der Stelle?

Dann ist dieser Artikel genau das richtige für dich.

Denn wenn du in deiner Verzweiflung das Internet erst einmal abgegrast hast, findest du immer wieder die gleichen Tipps: Mehr Gliedern, mehr Lesen und mehr Schreiben. Und obwohl diese Tipps gut gemeint und richtig sind, packen sie das Problem nicht bei der Wurzel. Wenn ich abnehmen möchte, weiß ich auch dass weniger Essen und mehr Sport zum Erfolg führen – doch die Umsetzung ist dadurch noch lange nicht garantiert.

In diesem Artikel verrate ich dir also 3 seltene Tipps zum Hausarbeit schreiben, die dir insbesondere in der Anfangsphase dabei helfen, deine PS auf die Straße zu bringen und eine Top-Note in deiner Hausarbeit zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden lassen.

#1 Problemorientierung beim Hausarbeit schreiben

Bevor du eine Forschungsfrage aufstellst, beispielsweise am Ende der Einleitung deiner Hausarbeit, musst du begründen, warum diese relevant und wichtig ist. Aber wie schaffst du das?

Forschungslücke

Der Ansatz, der dir wahrscheinlich als erstes in den Sinn kommt und auch oft gelehrt wird, ist das Suchen nach einer Forschungslücke. Das bedeutet erstmal nichts weiter, als dass ein bestimmtes Thema, ein Phänomen oder ein theoretischer Zusammenhang in der existierenden Literatur nicht zu finden oder unterrepräsentiert ist.

Um eine solche Aussage machen zu können, musst du natürlich jede Menge recherchieren und lesen. Nur so bekommst du ein vollständiges Bild der Debatte zu diesem Gegenstand in der Forschungsliteratur.

Eine Forschungslücke zu finden, ist als schonmal nicht schlecht. Doch wenn du nicht aufpasst, trittst du hier ganz schnell in eine Falle. In wissenschaftlichen Arbeiten lese ich immer wieder folgendes Argument:

„…daran lässt sich erkennen, dass bisherige Forschung den Gegenstand X noch nicht ausführlich beschrieben oder empirisch erforscht hat. Deshalb lautet meine Forschungsfrage…“ 

An dieser Stelle geht bei mir ein rotes Licht 🚨 an und der Rotstift wird gezückt.

Nur weil ein Gegenstand bisher nicht erforscht wurde, heißt das nicht, dass er auch erforscht werden sollte. Du musst argumentieren, warum und für wen das wichtig wäre.

Ein Forschungsproblem entwickeln

Um auf eine wirklich relevante Forschungsfrage zu kommen und eine entsprechende Forschungslücke als wirklich wichtig herauszuarbeiten, brauchst du ein Problem.

Oder zumindest vereinfacht es dir jede Menge. Neben Motivation, Relevanz und Forschungsfragen wird es dir zusätzlich dabei helfen, den roten Faden deiner Arbeit von Anfang bis Ende ganz leicht zu entwickeln.

OK, und was ist ein Forschungsproblem?

Das ist ganz einfach: Ein Forschungsproblem ist eine Schwierigkeit, ein Widerspruch oder eine Wissenslücke, die noch nicht wissenschaftlich beackert wurde. Das Problem kann entweder praktischer oder theoretischer Natur sein.

Hier mal 3 Beispiele für Forschungsprobleme:

#1 Durch die COVID-19 Pandemie wurden Angestellte in vielen Branchen zwangsweise für viele Monate ins Homeoffice geschickt. Dieser Umstand hat unweigerlich Auswirkungen auf die Unternehmenskultur. Alles was wir über Unternehmenskultur wissen, entstand jedoch zu 99% vor dem Hintergrund klassischer Vorort-Arbeit. Das ist ein Problem! 

#2 In Vorfeld der US-Präsidentschaftswahl 2016 konnte festgestellt werden, dass sogenannte Social Bots auf Plattformen wie Twitter Inhalte mit politischen Meinungen teilen. Da viele Wählerinnen und Wähler Social Media als eine wichtige Informationsquelle nutzen, haben diese Bots möglicherweise einen Einfluss auf den Ausgang einer Wahl. Das ist ein Problem! 

#3 Der Pflegesektor leidet an Personalmangel. Die Industrie arbeitet intensiv an Robotern und maschinellen Haustieren, die für soziale Zuwendung sorgen sollen. Patienten mit Demenz reagieren tatsächlich positiv auf die Roboterhaustiere, weil sie davon ausgehen dass diese echt sind. Ethiker*innen äußern sich kritisch.  Das ist ein Problem!

Was ist dein Forschungsproblem? 🙂

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#2 Literatur-Scanning beim Hausarbeit schreiben

Willst du erfolgreich wissenschaftlich Arbeiten, musst du Entscheidungen treffen. Wann habe ich genug gelesen? Ist jetzt der Zeitpunkt, an dem ich genügend Daten gesammelt habe?

Beim Lesen ist es besonders tricky. Denn Lesen kannst du wirklich ohne Ende. Zu jedem Thema findest eine Flut an Papern, manchmal sogar ganze Bibliotheken an Büchern und Sammelbänden. Aus Angst etwas zu verpassen oder zu übersehen, finden viele hier oft keine Ende und kommen nicht ins Schreiben.

Natürlich musst du viel lesen und je mehr du liest, desto besser bist du in der Lage, eigene Gedanken zu Papier zu bringen. Doch hier gibt es einen Point of Diminishing Returns. Dieser ist erreicht, wenn du noch ein Paper mehr liest, aber der Wert für deine wissenschaftliche Arbeit nicht weiter proportional steigt.

Deshalb brauchst du eine pragmatische Strategie, wenn es um’s Lesen geht.

Grenzen setzen

Du teilst deine Bearbeitungszeit durch 3. Hast du 3 Wochen Zeit für deine Hausarbeit, sieht das in etw so aus:

Woche 1: Themenfindung, Eingrenzung, Recherche, Lesen und Exzerpieren

Woche 2: Strukturierung, Analytische Arbeit, Schreiben, Schreiben, Schreiben.

Woche 3: Überarbeitung, Korrektur, Formalia und Zitationen

Nach Tag 7 rührst du einfach keine Quelle mehr an. Fertig. Literatursichtung abgeschlossen. Basta. Setze dir diese Grenzen, damit du Fortschritt machst.

Pareto-Prinzip

Für das eigentliche Lesen wendest du das Pareto-Prinzip an. Falls du das nicht kennst, es ist auch als 80/20 Regel bekannt, bitte er-google dir dieses Prinzip kurz, sonst schalten mir hier zu viele Zuschauer gelangweilt ab. Und das will ich nicht, denn Tipp 3 ist es wert, dranzubleiben 😉

Wissenschaftliche Quellen nach dem Pareto-Prinzip zu lesen bedeutet, zuerst ein Titel und Abstract-Scanning durchzuführen. Dieses Vorgehen ist in der Methode eines systematischen Literatur-Reviews völlig normal. Während deiner Datenbanksuche füllst du also einen digitalen Korb mit Quellen. Dort kommt alles rein, was interessant aussieht.

In der nächsten Runde nimmst du dir diesen Korb vor und entscheidest anhand von Titel und Abstract, ob die Quelle in den Recall kommt, also in Korb 2.

Die Quellen, die es in Korb 2 geschafft haben, scannst du nach relevanten Kapiteln. Suchst du eine Definition, liest du nur die Kapitel, in der du diese wahrscheinlich finden wirst. Suchst du nach spannenden Forschungsergebnissen liest du nur die Conclusion, wenn es spannender wird die Diskussion und wenn es noch spannender wird, steigst du in die Ergebnisse und die Methodik ein. Findest du nicht was du suchst, brichst du ab und ziehe weiter.

Lies jede Quelle mit einer Intention. Lies nur das, was du wissen willst.

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#3 Plotting zum Hausarbeit schreiben

Der letzte Tipp richtet sich ein wenig an den Punkt der Planung und Strukturierung deiner Arbeit. Das wäre also nötig, nachdem du dich bereits eingelesen hast und jetzt den Übergang in die Schreibphase machen willst.

Das Plotting ist eine Technik, die sonst Romanautor*innen verwenden, aber ich bin der Meinung es ist eine hilfreiche Technik für das wissenschaftliche Arbeiten. Bestimmte Punkte müssen nur dafür angepasst werden.

Beim Plotting geht es um die Strukturierung eines Textes bzw. einer Story. Die Kraft von Storytelling wird beim Hausarbeit schreiben oft übersehen bzw. nicht gelehrt. Schauen wir uns erstmal an, wie Schriftsteller*innen einen Roman plotten:

Sie bestimmen:

  • Hauptcharaktere
  • Einen Status Quo
  • Eine Motivation
  • Ein initiales Erlebnis
  • Eine Entwicklung
  • Eine Krise
  • Die Lösung

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Für den Zweck Hausarbeit schreiben übersetze ich diese Bestandteile nun ein wenig:

Hauptcharaktere (Gegenstand und Audience)

In einer Novelle gibt es Protagonisten, in einer wissenschaftlichen Arbeit einen Forschungsgegenstand und ein wissenschaftliches oder praktisches Publikum, an den sich die Arbeit richtet. Schreibe dir auf:

  • Was ist mein Forschungsgegenstand?
  • Wie viele Kernbegriffe brauche ich und welche sind das? (nicht mehr als 3)
  • An wen richtet sich die Arbeit? Wem nützt sie?

Status Quo (Stand der Forschung)

Dieser Punkt ist ziemlich selbsterklärend.

  • Was weiß ich bereits und wie behandelt die Literatur meinen Forschungsgegenstand?

Die Motivation (Das Forschungsproblem)

Hier schließt dich der Kreis zu Tipp 1.

  • Was ist mein Forschungsproblem?

Ein initiales Erlebnis (Das Forschungsdesign) 

Bei diesem Punkt muss ich mich bei der Interpretation ein wenig strecken.

  • Wie möchte ich mich dem Problem nähern?
  • Welches Material eignet sich zur Analyse?
  • Welchen methodischen Zugang brauche ich, um die Forschungsfrage zu beantworten?
  • Was ist das Aha-Erlebnis, wenn jemand meine Arbeit liest?

Die Entwicklung (Die Diskussion, Teil 1) 

Welchen Weg bist du am Ende deiner Arbeit vom Status Quo gegangen.

  • Wie hat sich mein Wissen erweitert?
  • Welche Aussagen kann ich über das Forschungsproblem treffen, nun da ich mich methodisch oder analytisch damit auseinandergesetzt habe?
  • Was bedeuten diese Aussagen?

Eine Krise (Die Diskussion, Teil 2)

  • Welche neuen Probleme haben sich aufgetan?
  • Inwiefern bin ich limitiert bei meinem Versuch, mich dem Forschungsproblem zu nähern?

Die Lösung (Die Diskussion, Teil 3)

  • Was ist mein Lösungsvorschlag für das Forschungsproblem?
  • Wie beantworte ich die Forschungsfrage?

Und fertig ist ein wunderbarer Plot für deine wissenschaftliche Arbeit. 🙂


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