Besser Lernen

Schwierige Texte lesen und verstehen mit der mächtigen PQ5R-Methode

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Stehst du der Herausforderung gegenüber, unheimlich schwierige Texte lesen und verstehen zu müssen? Wie, du kennst die PQ5R-Methode noch nicht?

Dann wird es aber höchste Zeit, diese Methode in deinen Lernalltag zu integrieren.

Die PQ5R-Methode besteht aus 7 Schritten (Einem P, einem Q und 5 Rs) und gibt dir ein Framework an die Hand, mit dem du jeden Text bis auf die Knochen durchdringst, indem du den Text mit einer bestimmten Reihenfolge und Technik liest, markierst und reflektierst. Mit dieser Methode wird es dir gelingen, dein neu gewonnenes Wissen sowohl mündlich als auch schriftlich in eine außergewöhnlich gute Note zu verwandeln.

Legen wir sofort los.

P – Preview

Der erste Schritt der PQ5R-Methode ist das erste Lesen des Textes. Ohne Druck und völlig unbefangen fliegst du über die Zeilen. Du musst den Text nicht Wort für Wort lesen. Bei diesem Überfliegen kommt es nicht darauf an, alles zu verstehen. Viel mehr dienst die Preview-Phase dazu, dir einen Überblick zu verschaffen.

Du legst besondere Aufmerksamkeit auf einzelne Unterüberschriften und Abbildungen. Obwohl du den Text nur überfliegst, bleiben erste Brocken hängen und du hast eine grobe Idee, worum es geht. So wird es dir in den darauffolgenden Schritten einfacher fallen, tiefer in den Text einzusteigen.

By the way – in der Preview Phase lässt du den Text völlig unberührt. Keine Markierungen, Notizen oder Sonstiges.

Q – Question

Im zweiten Schritt bewegst du dich noch immer an der Oberfläche. Gehe noch einmal die einzelnen Kapitel, Abschnitte und Überschriften durch und formuliere für jeden gedanklichen Abschnitt des Textes eine Fokusfrage. Hier ein Beispiel.

Nehmen wir mal an, du liest Marx‘ Aufsatz „Zur Kritik der politischen Ökonomie“. Schwere Kost. Der Text teilt sich (allein durch seine Gliederung) in folgende Abschnitte auf:

1. Die Ware

A. Historisches zur Analyse der Ware

2. Das Geld oder die einfache Zirkulation

A. Maß der Werte

B. Theorien von der Maßeinheit des Geldes

Jetzt formulierst du 5 Fokus-Fragen anhand der Gliederung des Textes:

  1. Wie definiert Marx den Begriff der „Ware“?
  2. Welche historischen Entwicklungen haben den Begriff der „Ware“ bis dato geprägt?
  3. In welchem Zusammenhang steht das Geld bzw. dessen Zirkulation mit der „Ware“?
  4. Welches Wertesystem unterliegt Marx‘ Auffassung von Geld und Ware?
  5. Welches theoretische Verständnis leitet er in Bezug auf Geld aus seinen Ausführungen ab?

Diese Fragen kannst du aufstellen, ohne den Text überhaupt im Detail gelesen zu haben. Doch durch die Fragen bist du nun bestens vorbereitet oder auch „geprimed“, um ebendies jetzt zu tun.

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R1 – Read

Jetzt heißt es Lesen mit voller Aufmerksamkeit. Nimm dir einen Stift an die Hand und markiere die wichtigsten Stellen, die deine Fragen beantworten. Aber Achtung! Effektives Markieren will gelernt sein. Mit einem neonfarbenen Marker über die wichtigsten Sätze zu streichen, mit dem Ergebnis, dass du nach dem Lesen ein gelbes statt weißes Blatt Papier in der Hand hältst, ist wenig effektiv.

Richtig markiert wird an der Seite. Der Fließtext bleibt unangetastet. Verwende deine eigenen Worte, um die Markierung zu labeln und so den Text gedanklich zu strukturieren. Hier ein Beispiel:

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Wenn du beim lesen einige Fremdwörter nicht verstehst, dann schlage sie nach. UND schreibe sie auf. Lege entweder am Ende des Textes oder in deinen Notizen eine Übersicht dieser Begriffe an. Wenn du das nicht tust, wirst du die Bedeutung wieder vergessen. Glaub mir.

Das Ziel der Markierungen und Aufarbeitung sollte folgendes sein: Wenn du eine Woche später deinen Text in dies Hand nimmst, solltest du innerhalb von 5 Minuten in der Lage sein, den Inhalt präsent zu haben.

R2 – Record

Bisher hast du lediglich am Text selbst gearbeitet. Doch wenn der Text – wahrscheinlich hast du ihn auf Papier – weg ist, dann ist auch deine Arbeit weg. Lege dir deshalb eine digital Wissensdatenbank an. Ein zweites Gehirn. Auf meinem Blog habe ich schon öfter darüber berichtet, dass ich dazu Evernote nutze.

Doch egal welchen digitalen Helfer du verwendest oder auch analog bleibst und dir eine Ordner-Struktur anlegst – dein Wissen konservierst du nur, indem du es auf Abruf bereit hast.

Der erste Eintrag für diese Aufzeichnung sind deine Fokus-Fragen. Außerdem wirst du nach dem intensiven lesen in der Lage sein, die Fragen größtenteils zu beantworten. Somit sollten neben den Fragen auch deine Antworten konserviert werden.

An dieser Stelle bist du auf der intensivsten Stufe der Auseinandersetzung, deshalb solltest du alle Punkte, die dein Textverständnis und deine Interpretation hervorbringt aufschreiben.

R3 – Recite

Das Rezitieren deiner Inhalte – Diesen Schritt kannst du flexibel gestalten. Die Methode besagt, dass du zumindest irgendeine Form der mündlichen Wiedergabe deiner Aufzeichnungen praktizieren solltest.

Eine wundervolle Möglichkeit dies zu tun, ist es sich mit anderen zusammenzuschließen und die Feynman-Methode anzuwenden. Auf meinem Blog findest du eine ausführliche Anleitung zur Feynman-Methode. So maximierst du dein Textverständnis beinahe ins Unendliche. Das Problem dabei ist, dass es ein wenig Überwindung und Organisation braucht, um eine Gruppe zusammenzutrommeln, sich gegenseitig vorzutragen und zu befragen.

Aber wenn du es mit deinen Noten wirklich ernstmeinst, dann solltest du dich überwinden und es tun. Genau an diesem Punkt trennt sich die altbekannte Spreu vom Weizen – Hier findest du den Schlüssel zu herausragenden Noten. Also raus aus der Komfort-Zone.

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R4 – Review

Der vorletzte Schritt – halte durch!

Nachdem du deine Eigenleistung hinter dich gebracht und abseits des Texts gearbeitet hast, kehrst du nun zum Original-Text zurück. Nun liest du den Text noch einmal – jedoch nicht unbefangen sondern auf Basis deiner Textarbeit und Aufzeichnungen.

Dieser Schritt ist elementar wichtig, denn nun werden sich letzte offene Fragen ergeben und dein Verständnis wird sich von 80% auf weit über 90% hochschrauben. Falls noch immer Dinge unklar sind, schreibe sie auf.

Das sind die Fragen, die du bei der Besprechung des Textes parat haben solltest. Es ist nicht schlimm, wenn du diese letzten paar Prozent des Verständnisses nicht aufweisen kannst. Vielmehr zeugen deine messerscharfen fragen davon, dass du dich in der Tiefe mit dem Text auseinandergesetzt hast – was wiederum deiner Mitarbeit bei der Besprechung zugute kommt.

R5 – Reflect

Der letzte Schritt – die Reflexion – ist die Königsdisziplin. Lege den Text weg. Gehe spazieren, Sport machen oder irgendetwas anderes. Wie beim Sport oder auch kreativen Schaffensprozessen stellen sich die Erfolge erst dann so richtig ein, wenn dein Körper und Gehirn in der Pause sind.

Der Körper baut Muskeln in der Ruhephase auf und nicht während des Sports.

Kreative Ideen ploppen in deinen Kopf, wenn du unter der Dusche stehst, aber niemals im Büro am Schreibtisch.

Das bedeutet, dass du auch bei der Textarbeit erst in der Ruhephase die erarbeiteten Inhalte unterbewusst verarbeitest und dich auf ein höheres Level des Verständnisses bewegen kannst. Lasse diese Reflexion zu.

Abschließende Leitfragen um die Reflexion nach der Ruhepause zu systematisieren, könnten diese hier sein:

Welche Bedeutung hat der Text heute?

Wie ordnet sich dieser Text in mein bestehendes Wissen ein?

Welche Sekundärliteratur kann ich hinzuziehen, um den Text besser einordnen zu können?

Was kann ich persönlich von diesem Text lernen und wie macht dieses Wissen mein Leben besser?


Einzelne Schritte der PQ5R-Methode lassen sich beliebig oft wiederholen – dabei musst du auch nicht wieder beim P anfangen, sondern diejenigen Maßnahmen ergreifen, die du gerade am dringendsten benötigst.

 

Wenn du jetzt auf dem Weg zu herausragenden Noten noch ein wenig Starthilfe für deine wissenschaftliche Arbeit benötigst, dann habe noch ein PDF für dich, das du dir gratis herunterladen kannst:

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