Uni-Hacks

Das Produktivitäts-System, das mich in die Top 1% meines Fachs gebracht hat

Jedes Jahr veröffentlicht der globale Verband für Wirtschaftsinformatik ein Ranking der produktivsten Forscherinnen und Forscher heraus. Dieses Jahr wurde ich dort zum ersten mal unter den Top 50 gelistet und das nur 4 Jahre nach meiner Promotion!

Bin ich also ein Genie? Überhaupt nicht. Ich habe nur ein relativ gutes Produktivitäts-System beziehungsweise eine sehr strategische Herangehensweise, um in meinem Beruf erfolgreich zu sein.

In diesem Video verrate ich dir die 3 Geheimnisse, die hinter diesem System stecken und wie du es noch heute auf dein Studium beziehungsweise deine eigene Karriere anwenden kannst.

Inhaltsverzeichnis

#1 Skill Stacking

Dieses Geheimnis beruht auf der Realisation das Studium und Beruf nicht zwei getrennte Dinge sind. Ja es sind unterschiedliche Lebensabschnitte, aber die Fähigkeiten die du dir aneignest und die Person zu der du dich formst sind ja unabhängig davon ob du einem Studium, einem freiwilligen Sozialen Jahr oder einer Erwerbstätigkeit nachgehst.

Die Idee hinter dem Skill-Stacking ist simpel und auch ein bisschen befreiend: Du musst in keinem Skill absolute Weltklasse sein. Ich bin es auch nicht. Mein Englisch ist gut, aber nicht Muttersprachler-Niveau. Mein Schreiben ist gut, aber ich gewinne wohl niemals einen Literaturpreis. Meine Methodenkenntnisse sind ordentlich, aber es gibt Leute, die dieselbe Methode noch viel besser beherrschen.

Das Geheimnis ist ein anderes: Die Kombination aus mehreren guten Fähigkeiten ist irgendwann so selten, dass der Generalist den Spezialisten in den Schatten stellt. In der richtigen Kombination addieren sich Fähigkeiten nämlich nicht auf, sondern sie multiplizieren sich gegenseitig.

Für meine Karriere in der Wissenschaft habe ich drei Fähigkeiten kombiniert, die sich heute multiplizieren.

Englisch

Ich habe ein Gap Year und insgesamt zwei Auslandssemester in englischsprachigen Ländern gemacht und diese mit Nebenjobs und einem Studienkredit finanziert und dafür 3 Semester länger studiert. Bücher auf Englisch, Netflix auf Englisch, und jeden Dozent gefragt, ob ich meine Hausarbeiten und Abschlussarbeiten freiwillig auf Englisch schreiben darf. Beides war erlaubt, Deutsch und Englisch. 95 Prozent meiner Kommilitonen haben sich für Deutsch entschieden, weil es einfacher ist. Was sie nicht wussten, dass englische Arbeiten von den Profs durchweg wohlwollender gelesen wurden und Grammatik ihnen völlig egal war. Das war die erste Weggabelung, an der fast alle anderen den bequemen Pfad genommen haben und nicht den, der eine Fähigkeit trainiert.

Wissenschaftliches Schreiben

Bei der Fächerwahl habe ich immer die Seminare mit Hausarbeit genommen anstatt Vorlesungen mit Klausuren. Bis zur Bachelorarbeit hatte ich fünf oder sechs Hausarbeiten geschrieben. Die Bachelorarbeit war dann immer noch relativ mies. Aber weil mich die Professorin mochte, gab sie mir eine 2,7. Weiter im Masterstudium: noch mal fünf, sechs Hausarbeiten, dazu zwei Forschungsprojekte. Irgendwann waren es über ein Dutzend englische wissenschaftliche Arbeiten, während andere zwei oder drei Deutsche in ihrem gesamten Studium geschrieben hatten.

Methode

Während des Masters hatte ich mich in eine einzige Methode verbissen, die soziale Netzwerkanalyse. In beiden Forschungsprojekten und der Masterarbeit habe ich sie angewendet. Gleicher Betreuer, gleiche Methode, gleiches Thema: Krisenkommunikation auf Social Media. Während andere jedes Semester bei null anfingen, hat bei mir jedes Projekt auf dem letzten aufgebaut.

Damit konnte ich meinen Betreuer überzeugen, ich war ja schon so etwas wie ein Mitarbeiter, mich als Doktorand einzustellen.

Zu guter Letzt habe ich noch diesen YouTube-Kanal über wissenschaftliches Arbeiten gestartet. Was für meine Kollegen wie ein Hobby neben dem Job an der Uni aussieht, ist in Wahrheit mein stärkstes Ass im Ärmel, das mich von ihnen unterscheidet. Ich profitiere vom sogenannten Protégé-Effekt. Jedes Skript, das ich für den Kanal schreibe, und das waren in den letzten 8 Jahren mehr als 400 oder so, zwingt mich, einen Baustein des wissenschaftlichen Arbeitens so lange zu durchdenken, bis ich ihn einem Erstsemester erklären kann. Während ich also anderen etwas beibringe, werde ich selbst besser darin.

Die Frage die du dir nun stellen kannst ist:

Welche Fähigkeiten kann ich gezielt fördern, die sich langfristig miteinander kombinieren lassen?

#2 Progressive overload

Das zweite Geheimnis kommt aus der Sportwissenschaft. Es heißt Progressive Overload, also progressive Überlastung.

Im Krafttraining beschreibt dieses Konzept das Grundgesetz, dass ein Muskel nur wächst, wenn der Reiz ein kleines Stück über dem liegt, was er schon kennt. Jede Woche eine 1.25 kg Scheibe mehr als letzte Woche und der Körper kann nichts anderes machen als sich anzupassen.

Und genau so funktioniert auch Produktivität. Mehr Fleiß, mehr Stunden, mehr Disziplin ist nicht die Antwort. Das Wachstum, sei es körperlich oder geistig, kommt von der nächstschwereren Herausforderung.

In meinem Beispiel hatten wir eines unserer Forschungsprojekte mit unserem Betreuer freiwillig zu einem Konferenz-Paper ausgebaut. Das gab weder eine bessere Note, noch extra Credit-Points. Es war einfach nur die nächste Challenge. Dann bin ich als Masterstudent zu der Konferenz in die Schweiz gefahren – meine drei Kommilitonen aus meiner Gruppe hatten natürlich keine Lust. Übernachtet habe ich in einem Airbnb, in dem nachts das Bett unter mir zusammengebrochen ist – und das lag nicht an mir!

Danach die Masterarbeit, wieder für eine Publikation weiterentwickelt, diesmal für ein Journal. Jetzt kam auch noch Glück dazu. Corona machte mein Thema plötzlich hochrelevant. Aber Glück trifft eben nur die, die gerade ein fertiges Manuskript in der Schublade haben. Am Ende stand mein Name in einem Journal aus dem sogenannten Basket of Eight – den acht angesehensten Zeitschriften meiner Disziplin. Damit hatte ich einen Vorsprung vor 95% aller Doktoranden. Ich war ja nicht schlauer oder besser im Forschen. Ich hatte einfach nur schon im Studium die Herausforderungen hinter mir gelassen, die die anderen jetzt erst anfingen anzugehen.

Progressive Overload ist nicht nur die schnellste Art zu wachsen – es ist auch die angenehmste. Ich habe mich in diesen Jahren fast nie gequält. Ich war beim Arbeiten im Flow, weil jede neue Herausforderung ein kleines bisschen schwieriger war als die letzte. Das hält die Motivation hoch.

Die Frage die du dir nun stellen kannst ist:

Was ist die nächstschwerere Herausforderung zu dem, was ich gerade kann?

#3 Zeithebel

Das dritte Geheimnis erklärt, warum ich heute mehr veröffentlich als die meisten in meinem Umfeld, obwohl ich nicht mehr oder härter arbeite.

Auf jeder Stufe deiner Laufbahn liegen Hebel herum, die eigentlich zur nächsten Stufe gehören. Wenn du sie erkennst, kannst du sie aber ins Jetzt ziehen.

Ich zeig dir was ich meine wieder an meiner Geschichte. Als Doktorand musst du Abschlussarbeiten betreuen. Und so gut wie alle um mich herum haben das gleich einsortiert: Betreuung ist gleich Lehre. Lehre ist ein Zeitfresser. Zeitfresser nimmt Zeit von der Forschung weg. Die logische Konsequenz: wenige Studierende annehmen, um mehr Zeit für die eigene Forschung zu haben.

Ich wusste aus erster Hand, dass diese Gleichung falsch ist. Als meine eigene Masterarbeit zum Journal-Paper wurde, war ich selbst der Hebel. Mein Betreuer hatte Abschlussarbeiten nie als Lehre behandelt, sondern als Forschung. Er hat nur Themen angeboten, die er strategisch für seine Forschungsagenda nutzen konnte. Er investierte viel mehr in die Betreuung und konnte so mehr veröffentlichen. Diesen Ansatz habe ich einfach kopiert.

Und bevor jetzt jemand denkt, da würden Studierende ausgenutzt: Es ist das exakte Gegenteil. Eine Arbeit, deren Thema im Forschungsgebiet des Betreuers liegt, bekommt die beste Betreuung, die es gibt. Und für Studenten wie mich, die Interesse an einer wissenschaftlichen Karriere hatten, waren die Publikationen ein echter Anreiz. Der Hebel funktioniert nur, wenn beide Seiten gewinnen.

Die Fragen die du dir nun stellen kannst sind:

Welche meiner Pflichten kann ich zu einem Hebel für die Zukunft machen?

Und:

Welche Hebel aus der Zukunft kann ich schon jetzt in kleinerem Maße anwenden?

Wenn du alle drei Geheimisse zeitgleich beherzigst, dann multiplizieren auch diese sich gegenseitig. Das ist das ganze System, dass dich unaufhaltsam macht.

Und weil du jetzt weißt, wie verdeckte Hebel funktionieren, zeige ich dir zum Schluss noch einen – einen, den du heute ziehen kannst.

Deine Abschlussarbeit ist für dich eine lästige Pflicht. Aber sie kann ein Hebel für dich sein, vorausgesetzt, du behandelst sie so.

Und genau dafür habe ich mein Abschlussarbeitstraining gebaut. Da drin steckt die gleiche Philosophie, die ich dir heute gezeigt habe, übersetzt in ein Schritt-für-Schritt-System für deine Abschlussarbeit. Den Link dazu findest du in der Videobeschreibung.

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