Uni-Hacks

5 langweilige, aber extrem wichtige Dinge, die deine Abschlussarbeit retten

Über die intellektuell hochtrabenden Schrauben, an denen du für eine grandiose Abschlussarbeit drehen kannst, habe ich schon reichlich Tutorials gemacht. Die perfekte Forschungsfrage, Theorie-Methoden-Fit, und die Struktur des Diskussionskapitels.

Woran aber die meisten Arbeiten scheitern sind totlangweilige Dinge. So langweilig, dass niemand über sie spricht. Doch wenn eine dieser 5 unsexy Langweiligkeiten schiefgeht, dann hast du ein echtes Problem.

Inhaltsverzeichnis

Langweiligkeit #1 Backup & Versionierung

Der Super-GAU kann dir jederzeit passieren: Laptop geklaut, Festplatte tot, Word-Datei beschädigt. 60 Seiten Fortschritt einfach weg.

Ein Backup ist die langweiligste Sache der Welt – bis zu der einen Sekunde, in der es plötzlich das Einzige ist, was zählt. Und dann ist es zu spät, eins einzurichten.

Folge ab jetzt einfach der 3-2-1-Regel. Drei Kopien deiner Arbeit. Auf zwei verschiedenen Medien. Und eine davon außer Haus – also in der Cloud. Das heißt konkret: Deine Datei liegt auf dem Laptop, zusätzlich auf einer externen Festplatte oder einem USB-Stick, und gleichzeitig automatisch in einer Cloud wie OneDrive, Google Drive oder Dropbox. Brennt dein Mitbewohner die WG ab, während der Laptop drin liegt – die Cloud-Version lebt trotzdem.

Aber: Ein Backup, das du von Hand machen musst, vergisst du. Garantiert. Genau am Tag, an dem es drauf ankommt. Also richte es so ein, dass es im Hintergrund von allein läuft, ohne dass du je wieder daran denken musst, z.B. indem du dir den jeweiligen Client deines Cloud-Anbieters installierst.

Ein weiterer Tipp, den ich leider leider erst während der Doktorarbiet befolgt habe ist die Versionierung. Anstatt eine Datei immer wieder zu überschreiben, legst du jeden Tag eine neue Version an. Ich schreibe dazu einfach das Datum in den Dateinamen. Alle alten Versionen kommen in einen Ordner „Alte Entwürfe“. So hast du immer Zugriff auf eine ältere Version, falls mal was scheifgegangen ist. Außerdem weißt du genau welche Version die aktuellste ist.

Langweiligkeit #2 — Dein Referenzmanager, von Tag eins an

Einen Tag vor der Abgabefrist händisch alle Quellen einfügen: been there, done that. Kann ich nicht empfehlen. Ok, damals gab es noch keine KI die das im Notfall heute ganz gut und relativ zuverlässig erstellen kann.

Das gute alte Endnote, Zotero, oder wenn man durch die deutsche Zitierweise in Citavi gepressured wird, ist langfristig immernoch die bessere Wahl. Warum? Ganz einfach, ein Literaturverwaltungsprogramm ist ein deterministisches IT System. Du kontrollierst den Output und du baust dir eine Sammlung an Literatur auf, die auch über eine einzelne Arbeit hinweg hilfreich ist. Generative KI ist ein probabilistisches Tool, d.h. der Output basiert auf Wahrscheinlichkeiten. Nicht gerate ideal für die Literaturverwaltung. Stupide Aufgabe, stupides Tool.

Das Tool installiert zu haben reicht aber nicht. Du musst es auch verwenden! Wenn du eine Quelle auch nur schief anguckst sollte sie SOFORT in dein Tool wandern. Einfach auf „diesen Artikel zitieren“ klicken, korrektes Dateiformat aufwählen öffnen, kurz überprüfen ob alle Meta-Daten vollständig sind. Done. Dauert literally 10 Sekunden und spart dir später Stunden.

Was außerdem dagegen spricht KI zu verwenden: Falls du deinen Zitierstil ändern musst, hat das Auswirkungen auf das Literaturverzeichnis UND den gesamten Text. Mit Literaturverwaltungsprogramm ist das 1 Klick, da kann selbst KI in Sachen Schnelligkeit einpacken.

Möchstest du wissen, wie du die freigewordene Zeit am besten nutzt, um deine Arbeit von mittelmäßig zu herausragend beförderst? Dann schau mal bei meinem kostenlosen Abschlussarbeits-Crashkurs vorbei.

Langweiligkeit #3 — Formatvorlagen

Wer kennt es nicht? Überschriften, die auf Seite 12 anders aussehen als auf Seite 40. Abstände, die mal größer, mal kleiner sind. Ein Inhaltsverzeichnis, das du von Hand abtippst und nach jeder Änderung mühsam „aktualisierst“.

Die Lösung steckt in einem Wort, an dem die meisten in Word einfach vorbeiscrollen: Formatvorlagen. Oder im Englischen „Styles“. Statt jede Überschrift einzeln zu markieren und von Hand fett und groß zu machen, definierst du einmal zentral: So sieht eine Überschrift erster Ordnung aus, so eine zweiter, so der Fließtext, so ein längeres Zitat. Und ab dann weist du Text nur noch diese Vorlagen zu. Oben rechts da in Word – genau, da kannst du das machen.

Das Ergebnis: Deine Formatierung ist automatisch konsistent, von der ersten bis zur letzten Seite. Und das Inhaltsverzeichnis? Baut und aktualisiert sich auf Knopfdruck von selbst, weil Word genau weiß, was eine Überschrift ist. Aber der eigentliche Gewinn ist nicht die Schönheit. Der eigentliche Gewinn ist dein Headspace. Stell dir die letzten drei Tage vor der Abgabe vor. Die einen kämpfen da mit verrutschten Absätzen, einem Inhaltsverzeichnis, das nicht stimmt, und Seitenzahlen, die spinnen – Formatier-Panik, genau dann, wenn die Nerven ohnehin blank liegen. Mich haben schon Menschen dafür bezahlt, um ihre Formatierung zu fixen.

Und du? Du hast das vor Monaten einmal eingerichtet und verbringst diese letzten Tage mit dem, was die Note wirklich macht: dem Inhalt.

OK, schnell zum nächsten Punkt, das war selbst mir zu langweilig.

Langweiligkeit #4 — Die Sprechstunde

Mach dir mal eine Sache klar: Dein Betreuer ist die einzige Person auf diesem Planeten, die deine Arbeit benotet. Plus ein Zweitgutachter, dem die Note vorgesagt wird. Nicht „ein Professor“. Nicht „die Uni“. Dieser eine Mensch. Und was machen die meisten? Sie reden im gesamten Prozess zwei Mal mit ihm – einmal am Anfang, einmal kurz vorher – und schreiben den Rest im stillen Kämmerlein.

Großer Fehler.

Da sitzt jemand, der dir genau die Dinge verraten würde über die du tagelang grübelst – wenn du nur auftauchst und fragst. Jetzt sagst du vielleicht: Ich will doch nicht nerven. Verständlich. Aber es geht überhaupt nicht ums Nerven – es geht um die Art der Frage. „Können Sie mal eben meine vierzig Seiten lesen?“ – das geht natürlich nicht. Vorbereitete, gezielte Fragen dagegen schmeicheln deinem Betreuer sogar, weil sie zeigen, dass du mitdenkst. Also nicht „passt das so?“, sondern: „Ich habe meine Analyse der Literatur auf diesen Forschungsstrang eingegrenzt – halten Sie das für sinnvoll, oder ist das zu eng?“ Oder: „Wenn Sie an meiner Stelle wären, welche 3 Quellen würden Sie auf jeden Fall noch zu der Methode lesen?“ Eine einzige solche Frage kann dir Wochen an Irrweg ersparen.

Und außerdem: Wer regelmäßig auftaucht und kluge Fragen stellt, ist beim Gutachten am Ende kein anonymes Dokument auf dem Stapel mehr. Sondern ein Mensch, dessen Denkprozess der Betreuer kennt und dem er Erfolg wünscht. Und ganz ehrlich: Bei einer Arbeit, die zwischen zwei Noten steht, zwischen einer 1,3 und einer 1,0, macht genau das im Zweifel den Unterschied.

Es gibt in Bewertungsbögen allerdings auch oft den Punkt „Selbstständigkeit beim Verfassen der Arbeit“. Mir geht es also nicht darum, dir die Dinge die du tun sollst vorsagen zu lassen. Du musst erst Initiative zeigen und dann gezielt und regelmäßig nachfragen. Wenn du will, schreibe nach dem Meeting zwei, drei Sätze – „So habe ich Sie verstanden, das sind meine nächsten Schritte.“ Das hält schriftlich fest, was besprochen wurde, beugt Missverständnissen vor, und nebenbei signalisiert es Professionalität.

Dein Betreuer hat keine Zeit für dich? Tja, da hast du Glück. Ich habe nämlich eine Skool Community, die Schreibwerkstatt. Wenn du mir dort eine Frage stellst, bekommst du von mir eine Antwort. Und vielleicht sogar noch eine von den anderen die sich dort rumtreiben. Einfach so! Du musst dich nur kostenlos anmelden und los geht’s. Damit hast du einen Extra-Betreuer den sonst niemand hat.

Langweiligkeit #5 — Zeitmanagement

„Fertig geschrieben“ heißt nicht „Fertig für die Abgage“. Zwischen diesen beiden Punkten liegt ein Minenfeld aus lauter unspektakulären Dingen, die alle schiefgehen können.

Ja, Puffer einbauen, blabla.

Was ich dir mit dieser letzten Langweiligkeit vorschlagen möchte, ist ein bisschen unkonventionell. Aber wenn du umsetzt, was ich dir jetzt sage, dann kannst dem Prüfungsamt sagen sie sollen die 1,0 schon mal eintragen.

Für Leute wie mich, die an der Uni Forschung betreiben, ist wissenschaftliche Arbeiten ja der Beruf. Das heißt man hat viele Jahre Zeit den Prozess der in so eine Arbeit geht zu verbessern. Wenn du dir mal anschaust, wie so ein Paper entsteht, dann so: Nachdem meine Datenerheben abgeschlossen ist, schreibe ich einen Draft, also einen Entwurf. Das ist eine komplette wissenschaftliche Arbeit – im richtigen Format, mit allem Zip und Zapp. Man könnte das morgen so veröffentlichen. Wenn ich den Entwurf fertig habe, ist das die allerbeste Version, die ich hätte schreiben können. Hat ein paar Monate gedauert.

Genauso machst du das im Studium auch. Und dann gibst du ab.

Ich nicht. Ich gönne mir erstmal zwei friendly reviewer. Das sind befreundete Wissenschaftler, die ich dazu zwinge, den Draft zu lesen und mir Feedback zu geben. Im Gegenzug verpflichte ich mich für irgendeine Schandtat die in der Zukunft liegt um den Gefallen zu erwidern.

Dann besuche ich irgendeine Uni und stelle die Idee vor. Am Ende gibt es noch mehr Feedback. Ich mache das 1-2 Mal, aber richtige Cracks bis zu 10 mal.

Mit diesem Feedback gehe ich zurück an die Arbeit und ändere 10-20% der gesamten Arbeit. Schon viel besser. Jetzt ist es aber wirklich die beste Version der Arbeit, die ich mir vorstellen kann.

Dann wird eingereicht. So hoch es geht ohne sich zu blamieren. Dann kommt ein krachendes Reject, aber immerhin mit Reviews, also: noch mehr Feedback und zwar diesmal for free.

Wieder überarbeiten, wieder einreichen. Jetzt ist es aber die beste Arbeit die ich je geschrieben habe!

Neues Journal, neues Glück.

Reviewer 2 zerstört die komplette Idee. Na gut. Wieder überarbeiten. So vergehen ein paar Jahre und viele viele Feedback-Schleifen. Und das fertige Produkt ist ungefähr 300x besser als der erste Entwurf. Und im Nachhinein denkt man sich: Ja, war auch voll Schrott, der erste Entwurf.

Lange Rede kurzer Sinn:

Überlege dir mal, wie du so viele Feedback-Schleifen wie möglich einbauen kannst, bei denen dir Leute, die mehr Erfahrung haben als du, Denkanstöße geben können. Glaub mir, das macht im Studium niemand. Aber wenn du es machst, und ein bisschen auf die Spitze treibst, dann hast du so einen heftigen Vorteil, das kannst du keinem erzählen.

Und damit sind wir wieder am Anfang dieses Videos. Erinnerst du dich? Langweilig heißt nicht unwichtig. Langweilig heißt nur „hat keiner Bock drauf“.

Und genau dieses System – von Anfang an vom Ziel her denken, jeden Baustein an seinen Platz – ist der Kern meines Abschlussarbeitstrainings. Dort baue ich mit dir nicht nur den spannenden Teil deiner Arbeit auf, sondern den kompletten Plan drumherum, der dafür sorgt, dass dir keine dieser Langweiligkeiten am Ende die Note ruiniert. Den Link findest du in der Videobeschreibung.

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