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Promovieren Ja oder Nein? Die Wahrheit über’s Doktorarbeit schreiben

Promovieren ja oder nein Doktorarbeit schreiben Studium

Du hast dich bis fast ans Ende deines Studiums gekämpft und stehst nun vor der Frage: Promovieren – Ja oder Nein?

Um deiner persönlichen Antwort auf diese Frage näher zu kommen, möchte ich heute mit dir meine Erfahrungen teilen, nachdem ich vor zwei Jahren die Entscheidung getroffen habe, eine Doktorarbeit schreiben zu wollen.

In diesem Artikel verrate ich dir was meine persönliche Motivation war, die Promotion anzustreben und in welchem Fall du es auf jeden Fall auch tun solltest – und wann vielleicht lieber nicht. Dafür habe ich 7 Fragen für dich, die du dir im Selbsttest stellen kannst. Danach weißt du, ob eine Promotion für dich infrage kommt oder nicht.

Wir haben viel vor! Also nichts wie los…

Promotion, Dissertation, Disputation – Was ist da der Unterschied?

Zunächst mal zu den wichtigsten Begriffen:

Die Promotion ist das ganze Verfahren rund um eine Doktorarbeit, also das Erreichen des Doktorgrades. Eine Voraussetzung zur Promotion ist es immer eine Dissertation anzufertigen, also die schriftliche Doktorarbeit. Wie schon bei vielen im Studium muss diese vor einer Prüfungskommission bestehend aus deinem Doktorvater oder deiner Doktormutter und weiteren ProfessorInnen verteidigt werden. Das ist die Disputation.

Diese Voraussetzungen sind eigentlich immer gegeben, doch je nach Promotionsstudium oder individuellen Vereinbarung mit der betreuenden Professorin können noch weitere Dinge von dir verlangt werden. Zum Beispiel:

  • Lehrveranstaltungen halten
  • Abschlussarbeiten betreuen
  • Eine bestimmte Anzahl an wissenschaftlichen Artikeln publizieren
  • An einer Konferenz teilnehmen
  • Ein Doktoranden-Kolloquium besuchen
  • usw.

Wie viel du davon letztendlich erfüllen musst, hängt auch stark davon ab, wie deine Stelle finanziert ist. Die genauen Unterschiede und was finanziell dabei für dich herausspringt, das verrate ich dir am Ende des Videos.

Jetzt wollen wir erstmal herausfinden, ob eine Promotion überhaupt für dich in Frage kommt.

Eine kleine Ausnahme zum nachfolgenden Inhalt stellen einzelne Disziplinen bzw. Berufe dar, bei denen eine Promotion stark in die klassische Laufbahn eingebettet sind. Dazu zählen Medizin, Chemie oder auch Jura. In solchen Fächern ist die Promotionszeit zudem deutlich kürzer und der Mehrwert für den Berufseinstieg größer.

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Dennoch gibt es heutzutage Ärzte, die gar keinen Doktortitel anstreben, weil diese „pro forma“ Promotion sie von der Ausübung ihrer Leidenschaft abhält und ihnen egal ist, was Menschen über einen Arzt ohne Doktortitel denken.

Aber jetzt zum Selbsttest.

Was ist deine Motivation zum Doktorarbeit schreiben? (Selbst-Test)

Anhand dieser 7 Fragen kannst du auf die Schnelle überprüfen, ob deine Motive eine Doktorarbeit zu schreiben mit der Realität in Einklang gebracht werden können.

Damit meine ich, dass du…

  • …mit dieser Entscheidung glücklich bist.
  • …die Promotion für deine berufliche und persönliche Laufbahn nutzen kannst.
  • …nicht den falschen Zielen nacheiferst und entnervt das Handtuch wirfst.

Ich möchte, dass du nachdem du die Frage/Aussage gelesen hast, kurz innehältst und die Antwort auf einen Zettel schreibst oder in dein Handy tippst. Dann lies dir meine Kommentare dazu durch.

Bitte antworte mit JA, ich stimme der Aussage zu, oder NEIN, ich stimme der Aussage nicht zu. 

Frage #1

1. Ich bin vollauf begeistert von den Inhalten meines Studiums und kann mir nichts cooleres vorstellen, als diese weiter zu vertiefen.

Ja oder Nein?

Ok, das war einfach.

JA: Stimmst du dieser Aussage zu, könnte die Promotion etwas für dich sein. Eine hohe Begeisterungsfähigkeit für dein Fach ist die Grundvoraussetzung eine Promotion erfolgreich zu gestalten.

NEIN: Stimmst du dieser Aussage nicht zu, dann könnte es schwierig werden.

Frage #2

2. Mein oberstes Ziel ist es, mit einem Doktortitel meinen Lebenslauf aufzubessern und mir den entscheidenden Vorteil gegenüber Mitbewerbern in der Wirtschaft zu verschaffen.

Ja oder Nein?

JA: Stimmst du dieser Aussage zu, bist du zum Scheitern verurteilt. Der Status-Gewinn, den ein Doktortitel mit sich bringt ist nicht real. Diese Wahrnehmung ist nur ein inter-subjektives Konstrukt, das in der Arbeitswelt der Zukunft immer weniger Bedeutung haben wird. Nehmen wir an, diese Wahrnehmung ist in der Industrie in der du anstrebst zu arbeiten, noch recht stark, dann ist der Zugewinn im Vergleich zu 4 Jahren Arbeit in der Wissenschaft, in der du keine Praxiserfahrung sammelst, lächerlich gering.

Den Mythos, man wäre mit einem Doktortitel für die meisten Jobs“überqualifiziert“, halte ich für falsch. Es scheitert meist lediglich an den eigenen Erwartungen. Wer nach einer Promotion in den Beruf einsteigt, hat Chancen auf ein etwas höheres Gehalt. Berufseinsteiger, die nach dem Master in das selbe Unternehmen gingen, könnten sich in 4 Jahren für das gleiche Level qualifizieren und haben dazu schon 4 Jahre Erfahrung.

NEIN: Wenn dir der Titel egal ist und du das Doktoranden-Dasein als erfüllenden Beruf empfindest, dann könnte eine Promotion etwas für dich sein. Doch spätestens im Laufe der Promotion musst du dich entscheiden: Möchte ich in der Wissenschaft bleiben oder geht die Reise woanders hin?

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Frage #3

3. Ich möchte noch keine Entscheidung über meine berufliche Zukunft treffen. Mit einer Doktorarbeit könnte ich einfach „weiter studieren“.

Ja oder Nein?

JA: Stimmst du dieser Aussage zu, dann solltest du den Schritt Promotion noch einmal überdenken. Hierfür gibt es zwei Gründe:

  1. Ein JA zur Promotion ist eine Entscheidung für deine berufliche Zukunft. Nämlich für die nächsten vier Jahre.
  2. Wenn du gedanklich weiter in der Zukunft lebst als 4 Jahre und die Promotion als Zwischenstation zu etwas anderem siehst, dann hast du ein Problem: Du wirst die Gegenwart nicht mögen, weil du tagein, tagaus auf die Zukunft wartest. Aber das ist ein Trugschluss: Es gibt immer nur das Jetzt.

NEIN: Stimmst du dieser Aussage nicht zu, hast du eine Chance, glücklich zu werden. Doktorand zu sein ist ein toller Beruf und in Deutschland haben wir das Glück, dass Doktoranden überhaupt als Mitarbeiter an den Universitäten angestellt sind und du mit der Promotion auf der einen Seite eine Art Studentenstatus beibehältst, aber dennoch ein Gehalt beziehen kannst.

Frage #4

4. Das wissenschaftliche Arbeiten während meiner Abschlussarbeit hat mir den letzten Nerv geraubt.

Ja oder Nein?

JA: Stimmst du dieser Aussage zu, hast du schlechte Karten, was das Schreiben einer Doktorarbeit angeht. Das wissenschaftliche Arbeiten ist nun dein Beruf, der sich in Forschung, Projekte und Lehre aufteilt, es sei denn du hast eine speziell geförderte Position, die sich nur auf Forschung beschränkt.

NEIN: Hast du ein wenig Spaß am Forschen, Schreiben und Lesen wissenschaftlicher Texte, dann ist das eine gute Voraussetzung. Ich bin ganz ehrlich, während meiner Masterarbeit habe ich auch gelitten. Aber je besser du in einer Sache wie z.B. dem wissenschaftlichen Arbeiten wirst, desto mehr fängt es an Spaß zu machen.

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Frage #5

5. Eine Karriere in der Wissenschaft kommt für mich absolut nicht in Frage.

Ja oder Nein?

JA: Stimmst du dieser Aussage zu, dann hast du etwas nicht verstanden: Eine Promotion IST bereits die Wissenschaft. Du bist dann WissenschaftlerIn.

NEIN: Als DoktorandIn bist du zwar bereits im wissenschaftlichen System, aber du hast jederzeit die Chance zu wechseln. Wenn du begreifst, dass es in unserer Gesellschaft einzelne Systeme wie Wissenschaft, Industrie, Start-Up-Ökosysteme oder die Politik gibt, und jedes seine eigenen Spielregeln hat, dann hast du gute Karten. Welches Spiel möchtest du spielen?

Frage #6

6. Ich will mein Leben lang Neues lernen.

Ja oder Nein?

JA: Hier ein wichtiger Rat: Wie cool dein Dasein als Promovierender ist, hängt zu 90% von deinem Betreuer oder deiner Betreuerin ab. Wenn du die Professorin kennenlernst, die dich einstellen möchte und du Zweifel hast ob diese Person wirklich ein guter Chef wäre, dann überlege es dir zweimal. Denkst du dir: Wow, was für ein cooler Prof… Oder du warst selbst Student und warst von der Lehre begeistert, dann ist das ein guter Indikator, dass die Person ein guter Chef ist.

Bitte, bitte, bitte sprich mit Mitarbeitern, die bereits am Lehrstuhl arbeiten und frag sie schonungslos aus. Ich persönlich habe sehr großes Glück und von manch anderen Kollegen bekommt man gar den Eindruck, sie wollen gar nicht fertig werden, weil sie so eine geile Zeit haben. Auf der anderen Seite kenne ich aber auch Doktoranden die durch die Hölle gehen müssen. Also beachte: Es hängt alles vom Prof. ab.

Eine Promotion ermöglicht dir die vollkommene intellektuelle Freiheit. Du kannst dich mit einer Sache so sehr im Detail beschäftigen, wie es noch nie ein Mensch vor dir getan hat (Das ist übrigens die Grundidee einer Doktorarbeit). Bist du neugierig und möchtest fachlich aber auch persönlich immer weiter wachsen, hast du während einer Promotion kaum Grenzen diesbezüglich.

Frage #7

7. Eine sichere Anstellung hat für mich oberste Priorität.

Ja oder Nein?

JA: Stimmst du dieser Aussage zu, dann ist das Wissenschaftssystem vielleicht nicht das Richtige. Professor bist du zwar auf Lebenszeit, aber der Weg dorthin ist sehr, sehr ungewiss.

Finanziell gibt es ebenfalls sehr deutlich Unterschiede. Manchmal gibt es halbe Stellen, also 0.5 einer Vollzeit-Stelle, manchmal 75% und in Disziplinen mit viel Projektbudget auch 100%. Dabei stehen offiziell zwar weniger Stunden im Vertrag, aber im Prinzip wird ein Vollzeit-Job erwartet.

Eine halbe Stelle ist viel zu wenig, deshalb würde ich dir empfehlen, nach Stellen mit 75% oder mehr Ausschau zu halten. Neben der Promotion noch jobben zu müssen ist auch nicht der Sinn der Sache.

Auf der anderen Seite ist eine 100%-Stelle verdammt viel Geld. Du kannst das gerne mal nachschauen (Tarif Öffentlicher Dienst E13). In meinem Fall hätte ich in der eher schlecht bezahlten Medienbranche wahrscheinlich viel weniger Geld zum Einstieg verdienen können.

NEIN: Begreifst du die Promotion als eigenen Lebensabschnitt von vier Jahren und du kannst damit leben, danach etwas völlig anderes zu machen, dann nur zu! Es ist sogar so, dass du nach 4 Jahren auf jeden Fall etwas ganz anderes machen wirst. Die Zeit als Doktorand ist zeitlich begrenzt und selbst wenn du weiter im Wissenschaftssystem bleibst, wird sich die Art der Arbeit grundlegend verändern.

Für mich ist der Gedanke zu wissen, was ich in 4 Jahren mache ziemlich beklemmend. In diesem Fall ist die Promotion so reizvoll. Sie ist in sich abgeschlossen, beinhaltet das Hinarbeiten auf ein großes Ziel, die eigene Weiterbildung und -entwicklung, sowie die Zusammenarbeit mit Studis. Außerdem ist ein Uni-Campus ein sehr guter Platz zum Arbeiten. Und Reisen kann man auch jede Menge…


Ich hoffe der Selbsttest hat dir ein wenig geholfen und dich nicht noch mehr verwirrt. Wenn du Fragen zur Promotion hast, stell sie mir einfach in den Kommentaren.

Ich könnte noch ewig weitermachen und dir mehr über das deutsche System, Unterschiede zum PhD und die Dauer und Hintergründe einer Doktorarbeit erzählen. Wenn du daran Interesse hast, schreib mir das gerne ebenfalls in die Kommentare.

Bis dahin viel Erfolg bei der Entscheidungsfindung.

Dein Philip


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